Dem Euro helfen nur noch klare Bekenntnisse

Zins-Fieber. Irland unterm Rettungsschirm - und trotzdem treiben die Anleger die Preise für Staatsanleihen. Sie glauben halt nicht, dass die Reformen in den ärmeren Euro-Ländern zum Ziel führen. Sie glauben nicht mal, dass der Rettungsschirm genügt.

Zins-Fieber. Irland unterm Rettungsschirm - und trotzdem treiben die Anleger die Preise für Staatsanleihen. Sie glauben halt nicht, dass die Reformen in den ärmeren Euro-Ländern zum Ziel führen. Sie glauben nicht mal, dass der Rettungsschirm genügt.

Die EU ist in Not. Der Euro ist in Not. Aber Rettung ist nicht in Sicht. Oder doch? „Mein Name ist Bond, Euro Bond“. Aber Vorsicht! Was da als Ende der Probleme verkauft wird, ist in Wirklichkeit eine freundlichere Variante für die finale Frage: Wem darf ich die Rechnung servieren? Deshalb wird so heftig darüber gestritten, ob die Gemeinschaft des Euros gemeinsame Staatsanleihen ausgibt. Weil das der Einstieg in eine Transfer-Union ist, in der dauerhaft Geld von den starken Nationen um Deutschland (so viele sind das leider nicht) an die vielen Habenichtse fließt. Und das, ohne den Empfängern Bedingungen aufzubürden. So geht es natürlich nicht.

Noch so ein „geht nicht“. Ablehnen ist halt immer einfach. Unsere Kanzlerin hat es darin zur Meisterschaft gebracht. Immer erst mal Nein zu sagen und sich dann so spät zu bewegen, dass die Partner in der EU beschädigt werden (Das öffentliche Nachdenken über Lasten für private Gläubiger auf dem Höhepunkt der Irland-Krise kostet Spanier, Italiener und Belgier höhere Zinsen. Richtige Idee, falsche Zeit). Jetzt ist die Zeit, endlich einmal Ja zu sagen. Also los!

Ja zum Euro: Es gibt keinen Weg aus der Gemeinschaftswährung. Weder für die Länder, die unter dem Euro leiden, noch für Deutschland, das seine Rolle als Zahlmeister abschütteln will. Die wirtschaftlichen Folgen würden kleine Länder in die Pleite treiben und das deutsche Wirtschaftswunder abrupt stoppen. Politisch wäre ein Ende des Euros eine Katastrophe.

Ja zur EU: Zerbricht der Euro, zerbricht auch die EU. Mittelwege gibt es nicht, sie sind Hirngespinste von Ausweglosigkeit und Entscheidungsschwäche.

Ja zu den Konsequenzen: Besonders in Deutschland wird das Wunder einer kostenlosen Krisenbewältigung beschworen. Die gibt es aber nicht. Es geht schon los: Auch die deutschen Staatsanleihen sind teurer geworden, weil die Anleger nicht an die endlose Wirkung des tollen Rettungsschirms glauben. Die leidenden Staaten werden es nicht schaffen, die Misere zu beenden – dazu reicht der bisher absehbare Aufschwung nicht. Und es ist fraglich, ob die Regierungen ihre Reformen gegen den Druck der Straße durchsetzen können. Und was ist nach der nächsten Wahl? Der Rettungsschirm löst nur ein vorübergehendes Finanzierungsproblem, er bekämpft die Symptome, nicht deren Ursache. Zweifel sind angebracht – die Finanzmärkte münzen sie um in Zinsaufschläge.

Ja zu mutigen Entscheidungen: Euro-Bonds sind nicht die Lösung. Sie verteuern die Staatsanleihen für Deutschland & Co. und eröffnen den schwachen Ländern den Zugriff auf billigeres Geld ohne Bedingungen. Das trägt nicht gerade dazu bei, den überaus schmerzhaften Weg zu Ende zu gehen, den Griechenland, Irland und Spanien bereits eingeschlagen haben. Es gibt halt keinen netten, hellen, kostenfreien Ausweg. Wie ist das mit dem Ende und dem Schrecken? Das Ende mit Schrecken ist der Schuldenschnitt. Wir wissen, dass die Staaten unter dem Rettungsschirm auch in vielen Jahren ihre Kredite nicht zurückzahlen können – da müsste schon ein Mega-Aufschwung her. Also: Unter Schmerzen umschulden. Das trifft uns Deutsche hart. Immerhin sind wir die größten Kreditgeber Europas. Und das „wir“ ist wörtlich gemeint: Nicht nur Fonds sind europäisch angelegt, auch Ihre Lebensversicherung. Die schlimmern Folgen (es ist ja auch ein Ende „mit Schrecken“) könnten aus Mitteln des Rettungsschirms abgefedert werden. Zahlen müssen wir eh – dann lieber sofort, mitten in einem Aufschwung und so lange Rettungsschirm-Geld verfügbar ist.

Ja zur Gemeinschaft: Es ist ein Geburtsfehler des Euros, dass er die Wirtschaftspolitik unterschiedlicher Nationen aushalten muss. Das geht in guten Zeiten, dass sich einige wenige Länder wie Deutschland durch die Vorzüge einer gemeinsamen Währung eine goldene Nase verdienen, und die ärmeren Länder ihren Wohlstand über Kredite finanzieren, die sie außerhalb der Gemeinschaft nie bekommen würden. Aber in der Krise bricht das System zusammen. Weil die einen ihren Laden in Ordnung halten und die anderen nicht. Deshalb führt an einer gemeinsamen Wirtschafts- und Haushaltspolitik kein Weg vorbei. Eine Währung, eine Politik. Erst dann darf er in den Einsatz, der Euro Bond.

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