Urlaubsländer rüsten sich für Klimawandel/-krieg

Hungernde in Afrika - ob der Klimawandel uns solche Bilder auch aus Italien und Spanien und Griechenland beschert? Die Mittelmeerländer haben sich im Kampf gegen die Versteppung verbündet. Für den britischen Autor Gwynne Dyer sind das Vorzeichen von schlimmen Spannungen.

Hungernde in Afrika - ob der Klimawandel uns solche Bilder auch aus Italien und Spanien und Griechenland beschert? Die Mittelmeerländer haben sich im Kampf gegen die Versteppung verbündet. Für den britischen Autor Gwynne Dyer sind das Vorzeichen von schlimmen Spannungen.

Da sag einer, die europäischen Regierungen würden den Klimawandel nicht ernst genug nehmen: Die Mittelmeerstaaten rücken zusammen und bereiten sich gemeinsam auf trockene Zeiten vor, meldet die Deutsche Presse-Agentur. Wohin das wohl führt? In ein verstepptes Armenhaus oder in das Zentrum der Stromerzeugung aus Wind und Sonnenenergie? Das Buch, das ich gerade lese, gibt eine bedrückende Antwort: Die Vereinbarung ist der erste Schritt in den Zerfall der Europäischen Union. Übertrieben? Wer weiß …

Gehen wir mal davon aus, dass der Klimawandel tatsächlich eintritt wie befürchtet – oder noch schlimmer. Dann wird es schon in 30, 40 Jahren ungemütlich, und das bezieht sich nicht nur auf Schweißausbrüche. Der Klimawandel verändert auch unsere Sicherheitslage. Die Prognose ist nachvollziehbar: Wenn die Felder vertrocknen und die Menschen hungern, hat die Moral ein Ende. Dann gibt es Krieg.

Das sagt der britische Militärexperte Gwynne Dyer in seinem Klimakrieg-Buch „Schlachtfeld Erde“. Was passiert mit unseren fein austarierten Interessensbalancen, die schon bei Themen wie abgestimmter Wirtschaftspolitik, Steuersätzen, Regeln für die Finanzbranche, Zöllen und Währungsmanipulation schon manchmal ins Wanken geraten? Für Dyer ist das klar: Der Klimawandel zerstört Bündnisse, backt neue und löst Konflikte aus.

Sogar in Europa wird es brandgefährlich, prognostiziert Dyer. Wenn es wirklich warm wird (und für den Buchautor gibt es keinen Zweifel daran – für die Regierungen am Mittelmeer offenkundig auch nicht), werden die Mittelmeerstaaten die großen Verlierer sein. Sie müssen heute schon mit dem Ansturm afrikanischer Flüchtlinge klar kommen (die auch deshalb in Bewegung geraten, weil sich die Trockenheit im nördlichen Afrika nach Süden ausbreitet).

Aber der Klimawandel beschert ihnen noch ein Problem ganz anderen Kalibers, sagt der Autor: Unsere Urlaubsländer an den Gestaden des Mittelmeers versteppen. Sie werden nicht mal ihre eigene Bevölkerung ernähren können – an Tourismus denkt dann ohnehin schon lange keiner mehr. Die hungernden Italiener, Griechen, Portugiesen, Spanier setzen sich nach Norden in Bewegung.

Das passiert nicht über Nacht. Aber sobald das Problem anfängt, sind die EU-Staaten im Norden gefordert. Skandinavien ist das Paradies – der Klimawandel wird der Landwirtschaft dort üppiges Wachstum bescheren. Auch Deutschland kommt nicht ganz schlecht weg. In Richtung Alpen wird es trockener, die Wälder werden leiden, aber in Norddeutschland (und mit etwas Glück auch in Eifel, Hunsrück und Westerwald) gedeiht noch genug, um uns satt zu machen.

Aber nur uns. Sonst niemanden. Deswegen prophezeit der Buchautor, dass der Norden sich gegen den Süden abschottet und auf Hungerflüchtlinge schießen wird. Dass die EU zerbricht in eine südliche Notgemeinschaft und eine satte Nordgemeinschaft.

Es scheint, als habe sich die südliche Notgemeinschaft bereits gegründet.

22. Oktober 2010, dpa meldet den Abschluss einer Vereinbarung in Athen: „Es ist keine bloße Absichtserklärung. Es ist Verpflichtung, dass wir unsere Kooperation intensivieren werden,“ sagte der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou. Als dringlichstes Problem nannten viele Teilnehmer die Versteppung von Mittelmeerregionen, weil es immer weniger regnet. Andere äusserten die Befürchtung, dass das Millionen Touristen vertraute Bild des Mittelmeeres nur noch Erinnerung bleiben werde, wenn nicht jetzt etwas unternommen wird.“

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10 Kommentare zu Urlaubsländer rüsten sich für Klimawandel/-krieg

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