Endlich dürfen die Autokäufer entscheiden

Ob Opel noch lange blitzt oder von GM ausgeflaggt wird, das wird jetzt da entschieden, wo diese Entscheidung hingehört: in den Verkaufsräumen.

Ob Opel noch lange blitzt oder von GM ausgeflaggt wird, das wird jetzt da entschieden, wo diese Entscheidung hingehört: in den Verkaufsräumen.

Wie werden sie sich jetzt fühlen: die Kanzlerin, die Ministerpräsidenten, die Betriebsräte, kurz all jene, die für General Motors betteln gegangen sind? Also hat der Noch-US-Staatskonzern doch nur gepokert, um eins, zwei, drei Milliarden Euro aus der deutschen Steuerkasse. Das alte Zockerspiel, höchste Einsätze gegen Standorte und Arbeitsplätze. Dabei regelt am Ende doch nur der Markt, ob Marken überleben. Nur mit Subventionen sind Arbeitsplätze auf Dauer nicht zu halten – es ist überflüssig, hier die Liste gescheiterter Rettungsaktionen zu wiederholen. Das Schicksal von Opel entscheidet sich jetzt da, wo diese Entscheidung hingehört: in den Verkaufsräumen.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle darf sich einen Moment der Freude gönnen, bevor er auf der schwarz-gelben Vuvuzela weiter Trübsal bläst. Er hat die Vorschriften des Deutschlandfonds richtig ausgelegt und Hilfen für Opel verweigert: Das Unternehmen war vorher schon in Schwierigkeiten. Und der Inhaber hat wahrhaftig genug Kapital. Es fließt kein Geld, das wir nicht haben, an ein Unternehmen, das es nicht braucht.

USA und Kanada haben den Autoriesen aus dem Dreck gezogen und dafür Milliarden in die Hand genommen. Ob Saab, Pontiac oder Hummer – Lasten gingen über Bord. Auch die Last von Zahlungsverpflichtungen an Mitarbeiter und Ehemalige. Was von GM übrig blieb, brummt momentan wieder und fährt prächtige Gewinne ein.

Kein Grund also, deutsche Steuermittel in gefräßige US-Tanks zu pumpen. Die Amerikaner bedienen sich eh seit Jahren an den Kassen ihrer europäischen Marken – und das scheint nicht nachgelassen zu haben.

Um Opel zu sanieren, braucht es aber mehr aus Detroit als eine freundlichere Konzernbuchhaltung. Vor allem braucht es Marktchancen – und die sind für Opel arg beschnitten, weil sich andere GM-Marken auf den Wachstumsfeldern im Osten breit machen. Und der Heimatmarkt der Konzermutter ist eh tabu. Und die Modellpalette muss ergänzt werden.

Mal sehen, ob das Sanierungskonzept über Kostensenkung und Abbau von Arbeitsplätzen hinaus Fantasie entfaltet. Ansonsten werden selbstverständlich Standorte auch bei uns geschlossen (wie sonst wird Überkapazität abgebaut?). Die zuletzt doch sehr spendablen Ministerpräsidenten sollten das Opel-Geld (das ja vorhanden zu sein scheint) nicht vorschnell anderen Pannen-Firmen aufdrängen. Es wird wahrscheinlich noch gebraucht, um Sanierungsfolgen zu mindern und den Betroffenen eine Chance in neuen Märkten zu bieten – in innovativen Wachstumsmärkten. Da ist es besser angelegt als in der staatlichen Konservierung von überschüssigen Jobs in einer Branche, die sich brutal globalisiert und in Europa gesundschrumpfen muss.

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