Was die Ölpest uns lehrt

Barrieren gegen die Ölpest - Katastrophen wie im Golf von Mexiko lassen sich nur durch Verzicht vermeiden.

Barrieren gegen die Ölpest - Katastrophen wie im Golf von Mexiko lassen sich nur durch Verzicht vermeiden.

Autofahren ist gefährlich. Das Risiko erstreckt sich über Straßen und Autobahnen hinaus – bis in den Golf von Mexiko. Auch wenn angesichts der schrecklichen Ölpest im Süden der USA zuerst die Ölförderer in den Mittelpunkt der Kritik geraten, weil sie der Profite willen das Leben ihrer Mitarbeiter und die intakte Natur aufs Spiel setzen: Am Ende der Ursachen-Kette stehen wir, die Verbraucher. Dass die Benzinpreise pünktlich zu Ostern in die Höhe schießen, regt uns immer noch mehr auf als die Fotos zäher Ölschichten auf zarten Tieren. Weil die Nachfrage nach Erdöl ungebrochen ist, weil wir noch etliche Jahre auf alltagstaugliche Elektro-, Wasserstoff- und Brennstoffzellenautos warten müssen, gehen Ölfirmen wie BP immer größere Risiken ein. Wir merken es ja nicht. Bei uns kommen ja immer nur die „sauberen“ Produkte an, auch wenn hinter ihnen Atommüll, CO2-Lasten, Braunkohlelöcher und Biosprit-Monokulturen zurück bleiben. Und Ölkatastrophen.

Nur kurze Zeit hat die Krise den Ölpreis in die Knie gezwungen. Die Erinnerung an Fasspreise knapp unter 150 Dollar ist noch wach. Die Krise ist noch nicht ganz überwunden, aber die Preise steigen schon wieder, getrieben von Spekulanten, dem zunehmenden Durst der rasant wachsenden neuen Wirtschaftsgiganten China, Indien, Brasilien und der nur gering ausgeprägten Sparsamkeit der „alten“ Industrieländer.

Alle lechzen nach Sprit, und es ist das Geschäft der Ölriesen, diesen Durst zu stillen – auch wenn sie sich grüne Mäntelchen umhängen und sogar – wie im Falle BP – ihren Namen ablegen (obwohl British Petroleum jetzt Beyond Petroleum heißt: Geld wird mit Öl verdient). Die hohen Preise machen schwierige Erkundungen rentabel. Denn auf der Suche nach neuen Ölquellen müssen die Firmen tiefer schürfen und größere Risiken eingehen. Die Erschließung neuer großer Felder kostete in den 90er Jahren zwischen einer halben Milliarde und einer Milliarde Dollar – heute sind bis zu zehn Milliarden zu veranschlagen.

Wo wollen sie nicht überall Öl gewinnen: Etliche Kilometer unter der Meeresoberfläche – wie die jetzt zerstörte „Deepwater Horizon“ –, mit der chemischen Keule aus dem Ölschiefer in Kanada oder im Eismeer. Die Politiker stehen unter dem Druck – nicht nur der Öllobby, sondern auch der Autofahrer, solche Projekte zu genehmigen. Selbst US-Präsident Barack Obama beugt sich diesem Druck: Im Wahlkampf versprach er noch, Bohrungen im Golf von Mexiko zu verbieten; vor wenigen Monaten erteilte er neue Genehmigungen. Für die Ölfirmen, für die Unabhängigkeit von unsicheren Quellen in Schurkenstaaten. Und für die Verbraucher.

Aber die Ölpest im Golf von Mexiko rückt neue, riskante Explorationen in ein anderes Licht. In den USA werden sie vorerst gestoppt – vielleicht sogar für immer. Gut möglich, dass auch anderswo in der Welt umgedacht wird, um Risiken neu zu bewerten und zu überlegen, das restliche Öl nicht bedenkenlos zu verbrennen. Die Folgen: Wahrscheinlich wird der Ölpreis ein bisschen steigen – was nicht schlecht ist. Denn nur so wird die Nutzung alternativer Energien beschleunigt, werden neue Wirtschaftszweige gefördert. Mit neuen Arbeitsplätzen. Bei aller Tragik der Ölpest in den USA: Wenn die Welt ins Nachdenken kommt, hat sie doch – zu einem hohen Preis – etwas Positives bewirkt. Und wenn demnächst das Benzin teurer wird, sollten wir an die „Deepwater Horizon“ denken – und vielleicht mal den Fuß vom Gas nehmen oder zu Fuß gehen.

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