Die Feuerwehr diskutiert noch

Das sind noch Feuerwehrleute, die sofort löschen, wenn sie an den Brandherd kommen. Das Feuer des griechischen Finanz-Desasters breitet sich hingegen aus - und die Feuerwehr schaut zu.

Das sind noch Feuerwehrleute, die sofort löschen, wenn sie an den Brandherd kommen. Das Feuer des griechischen Finanz-Desasters breitet sich hingegen aus - und die Feuerwehr schaut zu.

Eine Runde von Grillfreunden hat in der Nähe von Borken beinahe einen ganzen Wald abgefackelt. Sie kippten nach der Mahlzeit die Kohlen einfach weg, das trockene Heidegras fing Feuer, und ruckzuck brannte eine Fläche von drei Fußballfeldern lichterloh. Zum Glück rückte die Feuerwehr schnell aus, und zum Glück gab es einen See in der Nähe, der zum Löschteich taugte. So ähnlich wie mit den Grillfreunden ist es auch mit den Griechen: Sie sind zu leichtfertig mit Geld und staatlichen Wohltaten umgegangen und haben die Kunst der Addition vernachlässigt. Jetzt brennt das südeuropäische Heidegras, und es ist klar: Wenn keiner beim Löschen hilft, breitet sich das Feuer aus. Alles blickt auf die mächtige deutsche Berufsfeuerwehr – doch die hält sich zurück. Sie will abwarten, bis die griechischen Grillmeister nachweisen können, dass sie künftig fehlerfrei grillen. Aber die Heide brennt. Und die Flammen kommen näher.

Natürlich ist es ärgerlich, als fleißiger, bescheidener Schaffer dem Nachbarn aus der Patsche zu helfen, der ein Hallodri ist. Aber wenn wir untätig bleiben, kommen wir selbst in Gefahr. Treibt Griechenland in die Insolvenz, geraten quer durch Europa weitere Banken in Not – die Schulden der Griechen stehen ja nicht in den Büchern einer Athener Sparkasse, sondern weit überwiegend bei Kreditinstituten in anderen Ländern der EU. Und nicht zu knapp. Statt den Griechen müsste Berlin mal wieder den Banken helfen. Wahrscheinlich mit einer deutlich größeren Summe als den bisher angedachten acht Milliarden. Griechenland steht in Deutschland mit gut 30 Milliarden Euro in der Kreide.

Das Hilfspaket, um das es momentan geht, reicht natürlich nicht aus: Wir haben es mit einem Großbrand zu tun, und der Löschteich ist zu klein. Griechenland hat 300 Milliarden Euro Schulden – viel mehr als das ganze Land in einem Jahr erwirtschaftet. So viel kann Athen nicht mal eben in ein, zwei Jahren sparen, ohne dass es zum Aufstand kommt. Die letzten, die so was bewerkstelligt haben, waren die Belgier, die ihre Staatsschulden von 125 % des BIP in den 90er Jahren auf 84 % in 2007 verringerten – in vielen Jahren also und vor der Krise.

Die 30 Milliarden des Griechen-Rettungspakets sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber sie dämmen den Brand ein: Sie zeigen den Finanzmärkten, dass die EU den Euro schützt. Sie machen deutlich, dass es sich nicht lohnt, jetzt die nächsten Schwächlinge der Eurozone anzugreifen: Portugal zum Beispiel, oder Spanien und Irland. Das Fass ohne Boden wäre dann nicht Griechenland, sondern eine ganze Reihe Not leidender Länder, mit denen momentan kein Staat mehr zu machen ist. Aber auf die Deutschland angewiesen ist, um seine Waren und Dienstleistungen zu verkaufen. Alle rausschmeißen aus dem Euro?

Es ist wie bei der Feuerwehr: Sie muss schnell löschen, bevor der Brand unkontrollierbar wird und auf die Nachbarn übergreift. Aber Politiker sind anders als Feuerwehrleute: Sie rücken aus mit viel Trara, lassen sich am Einsatzort filmen und fotografieren – und debattieren dann weiter, während der Brand sich ausdehnt.

Andersrum wird ein Erfolg draus: Aktuelles Feuer löschen, kurz feiern lassen und dann ebenfalls beherzt das Problem anpacken, wie weitere Brände zu verhindern oder klein zu halten sind. Ja, wir kennen die Rezepte: Noch härtere Auflagen, Umschuldung (was unsere Banken trifft), sogar über den Ausschluss aus der Eurozone können und müssen wir reden. Später. Wenn der erste Brand gelöscht ist. Kanzlerin Merkel kann es – das hat sie in der Bankenkrise bewiesen. Mit einem roten Koalitionspartner. Was ist los?

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