Der Dreck wird woanders in die Luft geblasen

Immer mehr Strom wird in Deutschland durch Windkraft, aus Sonnenenergie und Biomasse erzeugt. Trotzdem bleibt der CO2-Ausstoß in der EU konstant. Schade. Aber immer noch kein Grund das EEG abzuschaffen.

Immer mehr Strom wird in Deutschland durch Windkraft, aus Sonnenenergie und Biomasse erzeugt. Trotzdem bleibt der CO2-Ausstoß in der EU konstant. Schade. Aber immer noch kein Grund das EEG abzuschaffen.

Zehn Jahre alt ist das EEG geworden, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, dem es gelungen ist, die deutsche Stromerzeugung in wenigen Jahren mit einem alternativen Schwerpunkt zu versehen. Mehr als 16 Prozent des im vergangenen Jahr verbrauchten Stroms wurden aus Wind, Wasser, Biomasse und Sonne erzeugt. Das hat Milliarden gekosten und wird die Stromrechnung von Unternehmen und Privatleuten auch in den kommenden Jahrzehnten noch belasten, auch wenn Fehlentwicklungen gestoppt werden, wie die zu hohe Förderung von Solarstrom. Und weitere Milliarden Euro werden nötig sein, um Stromspeicher zu bauen – sonst gerät der Ausbau alternativer Stromquellen ins Stocken. Und das können wir uns nicht leisten. Aber deutliche Fragezeichen sind erlaubt.

Gut 16 Prozent des deutschen Stroms kommen also aus Wind-, Wasser-, Biokraftwerken und Fotovoltaikanlagen. Ein schöner Erfolg. Und wie macht der sich beim Klima bemerkbar? Die Antwort ist nicht so einfach wie zu erwarten ist. Naja: Es lässt sich leicht ausrechnen, dass die Erneuerbaren alleine in der Stromerzeugung im vergangenen Jahr den Ausstoß von 55 Millionen Tonnen CO2 vermieden haben. Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen sieht die Rechnung ganz anders aus.

Die Europäische Union legt fest, wie viel CO2 große Schlüsselbranchen wie Stromproduzenten und die Stahlindustrie jährlich ausstoßen dürfen. Dazu werden die Unternehmen mit Verschmutzungsrechten ausgestattet – leider immer noch weitgehend gratis. Steigt der Ausstoß, müssen die Firmen ihre Anlagen modernisieren. Oder sich weitere CO2-Gutscheine kaufen. Die gibt es bei Unternehmen, die weniger CO2 ausstoßen als sie dürften, weil sie umweltfreundlicher arbeiten. Oder weil – wie im vergangenen Jahr – Flaute herrscht.

Die Jahresmenge CO2 bleibt also konstant. An diesem Punkt unserer Erkenntnis lassen wir das EEG mit seinen Windrädern und Fotovoltaikanlagen ins Spiel kommen. Es lohnt sich dank EEG-Preisgarantie, in diese alternativen Stromerzeuger zu investieren. Aber dank Emissionshandel lohnt sich doppelt. Steigt der Ökostrom-Anteil, brauchen die Stromerzeuger weniger Emissionsrechte. Die überschüssigen Papiere verkaufen sie an andere Unternehmen, die ihren CO2-Ausstoß entsprechend erhöhen. Die Dreckmenge in der EU bleibt gleich. Trotz EEG. Außer Milliardenspesen nichts gewesen?

Das möchte ich nicht so hart sehen – so sehr ich bedaure, dass der Staat zwei Anreize zur CO2-Bekämpfung schafft, die sich gegenseitig neutralisieren. Auf der Habenseite des EEG stehen Zehntausende Arbeitsplätze, Exporterfolg und jede Menge Know-How, das uns in den kommenden Jahren helfen wird, nachhaltig zu wirtschaften, ohne allzu viel Wohlstand zu verlieren – auch wenn die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in dieser Branche noch ausbaufähig sind. Und nicht zu vergessen: Die erneuerbaren Energien schonen die schwindenden Vorräte an fossilen Brennstoffen und verringern die Abhängigkeit von Lieferanten, die Öl und Gas schon mal als politische Waffe betrachten. Und ohne alternative Energiequellen wäre der Ausstieg aus der Kernenergie völlig undenkbar – eine Brückentechnik braucht halt auch am anderen Ufer einen Pfeiler.

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