Zu viele arme Pigs in der EU

Schweine - Pigs, so nennen die US-Kollegen die Not leidenden Mitglieder der EU. Nach den Anfangsbuchstaben: Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Kann die EU ihren Pigs helfen?

Schweine - Pigs, so nennen die US-Kollegen die Not leidenden Mitglieder der EU. Nach den Anfangsbuchstaben: Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Kann die EU ihren armen Pigs helfen?

Die amerikanischen und englischen Kollegen sind mit boshaften Abkürzungen schnell zur Hand. Neueste Erfindung: PIGS, Schweine. Das sind die Mitglieder der EU, die gegen den Staatsbankrott kämpfen. PIGS, das sind Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Die Schweinestaaten kriegen ihr Fett weg. Ob sie das ohne Pleite überstehen? Ganz sicher. Denn dass ein Mitglied der Euro-Zone den Offenbarungseid leistet, leistet sich die EU sicher nicht. Aber mit der Hilfe ist das so eine Sache – das hat jeder schon erlebt, der einem Bettler in der Dritten Welt etwas zugesteckt hat: Sofort ist man von anderen Bettlern umringt, die auch was haben wollen. Aber für alle reicht das Geld nicht.

Ginge es nur um die Griechen, wäre das Problem längst gelöst. Vielleicht würden wir ihnen sogar verzeihen, dass sie über Jahre hinweg ihre Bilanzen gefälscht haben, um die Eintrittkarte in den Euroraum zu ergaunern. Aber es sind halt nicht nur die Griechen. Getrost können wir auch Italien zu den PIGS zählen – mit passendem Anfangsbuchstaben quasi als Ersatzspieler für die Iren. Eine Hilfsaktion für Griechenland muss also wirksam sein – aber mit schlimmen Schmerzen verbunden, um die übrigen Hungerleider vom Schlangestehen abzuhalten.

Im Fall Griechenland ist die EU auf dem richtigen Weg. Sie nimmt Athen an die kurze Leine, schaut der Regierung rund um die Uhr auf die Finger (was sie vor Jahren schon hätte tun sollen – und nicht nur in Griechenland. Die Großzügigkeit der EU in Sachen Stabilitätskriterien hat eine größere Schuld an der gegenwärtigen Misere als die Korruption der Griechen. Aber das ist ein eigenes Thema.). Die Griechen müssen ihre Staatsausgaben in den Griff bekommen – dass sie dazu sogar die Gehälter ihrer (viel zu vielen) öffentlich Bediensteten kappen, lässt das Land schon streiken. Ob es auch aufsteht?

Die griechische Regierung reagiert hart. Aber das genügt noch nicht. Andere Einflüsse verschlechtern die Kassenlage. Zum Beispiel die rasche Erholung der US-Wirtschaft. Schon werden Teile der weltweiten Geldströme wieder in die USA umgeleitet – auch in der Hoffnung, dass angesichts der positiven Daten die Notenbank die Zinsen erhöht, die momentan nahe null liegen. Das wertet den Euro ab (zur Freude der deutschen Exporteure) und erschwert es den armen Schweinen zusätzlich, an frisches Geld zu kommen. Sie zahlen ja heute schon Risikoaufschläge und bieten gut sechs Prozent für ihre Anleihen – und haben trotzdem zunehmende Probleme, Käufer zu finden.

Die Griechen werden es also wahrscheinlich nicht alleine schaffen. Entweder, die Regierung übersteht die nächsten Schnitte ins soziale Netz nicht, weil es zu Aufständen kommt, oder sie legt vorher den Rotstift aus der Hand und pilgert nach Brüssel zum Offenbarungseid – wie jetzt geschehen. Deshalb sagt die EU nicht Nein – auch in Anbetracht der eigenen Schuld am Dilemma. Zudem hätte eine Zahlungsunfähigkeit der Griechen auch in anderen Ländern der EU (und in den USA) üble Folgen für den Finanzmarkt: Ca. 70 Prozent der knapp 300 Milliarden Euro griechischer Anleihen liegen in Tresoren anderer Staaten – und würden sich dann über Nacht von Wertpapieren in Wertlospapiere verwandeln.

Wie kann die EU helfen? Das ist die Gretchen-Frage, die die Finanzminister zu beantworten haben: Direkte Finanzhilfen sind ausgeschlossen. Aber die Union könnte zu ihren deutlich besseren Konditionen Geld besorgen und an die Griechen weiterleiten. Das könnten auch einzelne Staaten – wie Deutschland. Wir sind in jedem Fall mit der größten Summe dabei, profitieren aber auch wie kein anderes Land vom Euroraum.

Beide Lösungen dürften der EU mächtige Bauchschmerzen bereiten (wegen der anderen armen Schweine) und ihr Image ankratzen. Vielleicht lässt sie es deshalb gegen ihre innere Überzeugung zu, dass den Griechen von außerhalb geholfen wird: Vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Der hat schon anderen Staaten in Europa (wie Ungarn und Rumänien) unter die Arme gegriffen – verlangt aber im Gegenzug härtere Sanierungen als die EU. Der IWF würde also in einem Teil des Euroraumes mitregieren. Inzwischen sieht es so aus, als würde Brüssel beide Lösungen verbinden – sehr zur Abschreckung der übrigen PIGS.

Wenn die EU das Mitregieren des IWF betrauert, vergießt sie nur Krokodilstränen über eigene Versäumnisse. Sie hätte längst eine einheitliche Wirtschaftspolitik umsetzen müssen, statt jedem Mitglied seine Eigenheiten zu erlauben. Und sie hätte nicht so oft nachsichtig sein dürfen, wenn ihre ursprünglich so ehernen Stabilitätskriterien unter die Räder kamen. Dass innerhalb der EU heute PIGS entdeckt werden, liegt auch am Brüsseler Chef des Stalls.

Dieser Beitrag wurde unter Ökonologie abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Zu viele arme Pigs in der EU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.