Solarbranche leidet unter Subventionen

Sol lucet omnibus – die Sonne scheint für alle! Den Spruch des Schriftstellers Gaius Petronius Arbiter (erstes Jahrhundert) und des Legionärs Gutzufus („Asterix und die Normannen“), ergänzt der umwelt- und klimabewusste Mensch schon automatisch durch: „und zwar emissionsfrei und kostenlos!“ Welch ein Modell: Aus Sonnenschein mach Sonnenstrom, und der Staat packt noch was drauf. Alles heiter. Bis jetzt. Jetzt kappt der Umweltminister den Zuschuss, und die ganze Solarbranche bläst Trübsal. Zu Unrecht.

Leider hat Wäschetrocknen nichts mehr mit Wäscheleine zu tun, aber ganz viel mit Wäschetrockner. Deshalb muss Licht in Strom gewandelt werden. Und das ist teuer. Viel teurer als die Umwandlung von Wind und erst recht von Kohle in Watt. Deshalb zwingt der Staat die Stromversorger, Solarstrom zu kaufen und legt den Preis pro Kilowattstunde so fest, dass die Sonnenanbeter damit klar kommen: die Hersteller der Anlagen ebenso wie die Investoren.

Die Rechnung ist aufgegangen. Sogar verblüffend gut. Dank der Einspeisevergütung ist Deutschland der größte Solarmarkt der Welt – obwohl uns allen auf Anhieb viele Länder mit mehr Sonnenscheinstunden einfallen. Den deutschen Herstellern ging es über Jahre hinweg richtig gut: Sie konnten die Preise für ihre Anlagen perfekt an die stabilen Rendite-Berechnungen anpassen. Das beflügelt die Gewinne. Aber fördert nicht unbedingt auch Forschung, Entwicklung und Kostendämpfung.

Heute kommt Spitzenqualität aus dem Ausland – und das zu günstigen Preisen. Die Einspeisevergütung fließt also auch nach China und Japan und in die USA. Das erleichtert die unpopuläre Kürzung der Fördersummen. Außerdem rechnen schon heute Experten vor, dass Solaranlagen den Strom unter Hausstrompreisen produzieren – für weniger als 20 Cent die Kilowattstunde. Die Einspeisevergütung lag im vergangenen Jahr für Hausanlagen noch bei 43 Cent – und für große Flächen bei 30 Cent.

Die Zahlungsverpflichtungen, die sich daraus ergeben, summieren sich allein für die im vergangenen Jahr gebauten Solaranlagen auf zehn Milliarden Euro. Die zahlt natürlich nicht „der Staat“. Die Rechnung geht an alle Stromkunden. Denn wir alle berappen die Differenz zwischen der staatlich garantierten Einspeisevergütung und den weitaus günstigeren Strompreisen des Marktes. Dieser Aufschlag für grüne Energien macht gegenwärtig den Löwenanteil an den Preiserhöhungen der Stromversorger aus – aber den Unmut kriegt nicht der Umweltminister ab, sondern RWE und Co. Die in diesem Fall mal weitgehend unschuldig sind.

Angesichts all der garantierten Fördermilliarden ist es überraschend, wie gering der Sonnenanteil an der Stromerzeugung ist (ein, zwei Prozent). Und es ist kein Wunder, dass die Solarbranche jammert, wenn Berlin den Rotstift ansetzt. Sie hat ja gut gelebt. Aber sie wird auch unter den veränderten Bedingungen überleben – wenn Preise und Leistung mit denen der internationalen Konkurrenz mithalten.

Und die Umwelt? Das Klima? So verrückt das klingt: Auf die CO2-Bilanz hat der Rotstift keinen Einfluss. Zwar verringern Fotovoltaik-Anlagen den Eintrag von Treibhausgasen in Deutschland (zu Rekordpreisen bis nahe 1000 Euro pro Tonne – Windräder vermeiden CO2 für unter 100 Euro). Aber die großen Betreiber ersparen sich damit gleichzeitig die Nutzung von Emissionsrechten – und verkaufen diese weiter. Und dann bläst ein anderer irgendwo in Europa das Treibhausgas in die Luft. Klimapolitik als teures Nullsummenspiel.

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