Der Bauch der Welt ist voll des guten Geldes

Krisen-Denkmal oder neues Spekulationsobjekt: Leer stehende Häuser in den USA ziehen Investoren an.

Krisen-Denkmal oder neues Spekulationsobjekt: Leer stehende Häuser in den USA ziehen Investoren an.

Wann ist des Guten zu viel? Das ist eine Frage, die wir schon beim Essen und Trinken oft genug falsch beantworten. Und dann leiden. Jetzt steht die ganze Welt vor diesem Dilemma, weil sie sich an billigem Geld berauscht. Wann ist des Guten zu viel? Wann wandelt sich die Arznei gegen die Krise in neues Gift? Die ersten Experten warnen schon vor Blasen und Blähungen durch zu fetten Finanz-Verzehr. Ich denke, sie unken zu früh.

Dass Geld die Welt regiert, ist nie deutlicher geworden als im vergangenen Jahr. Geld muss fließen, wir wollen flüssig sein, oder, wie die Lateiner es nannten: liquidus. Aus Angst, in eine Liquiditätskrise zu rutschen, hat die Welt mit ihren Notenbanken alle Geldhähne aufgedreht. Als das noch nötig war, hätte man gesagt: die Gelddruckmaschinen angeworfen. Aber heute wird die Welt bargeldlos und virtuell mit Geld geflutet. Die Europäische Zentralbank (EZB) verleiht es für ein Prozent. Immer noch. Und wahrscheinlich noch bis Ende 2010/Anfang 2011. In Amerika tendieren die Zinsen bei der Federal Reserve gegen Null.

Die Staaten halten so den Geldkreislauf halbwegs in Schwung, während die Finanzwirtschaft ihre Wunden leckt, im Keller Giftpapiere verbrennt und ansonsten ihr Geld zusammenhält.

Leider sind nicht alle Milliarden aus den Staatskassen in Fabriken, Containerhäfen, auf Baustellen, in Schulen und Labors gelandet. Sondern auch in Banktresoren. Weil es da keine Rendite bringt, und die Geldhäuser dringend Gewinne brauchen, um ihr Eigenkapital zu stärken (und den Bankern Boni zu bezahlen), wurde und wird das Geld weitergereicht. Angelegt. Zunächst mit relativ geringem Risiko und kleinen Renditen – aber wenn das Geld zum Nulltarif besorgt werden kann, sind auch kleine einstellige Zinsen höchst einträglich. Und schon drehen die so genannten Investmentbereiche wieder fett ins Plus.

Aber damit nicht genug. Jetzt ist Aufschwung. Jetzt ist Hoffnung. Und neue Gier. Das viele Geld sucht sich inzwischen auch größere Risiken. Gekauft werden Rohstoffe, die deshalb so teuer sind, als hätten wir gar keine Krise. Gold, Kupfer, Öl. Und Aktien. Die Kurse an den Börsen bessern sich viel schneller als die Gesundheit der Unternehmen.

Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass die Anleger dem Aufschwung trauen. Aber nicht nur. Das ist auch ein Vorbote neuer Spekulations-Blasen. Dass in den USA bis zur Krise fast die Hälfte der gesamten Unternehmensgewinne von Banken eingefahren wurde, lässt sich mit Methoden hanseatischer Kaufleute kaum nachvollziehen und war ein Grund für die Krise. Inzwischen haben die Bankengewinne an der Wallstreet schon wieder einen Anteil von gut 30 Prozent erreicht.

Zu viel Spielgeld? Schon zu viel des Guten? Noch ist es zu früh, kräftig auf die Geldbremse zu treten. Sonst kommt auch der zarte Aufschwung zum Stehen. Die Staatsbanken können die flüssigen Mittel leider nur mit dickem Schlauch in den Markt (und zurück) pumpen – da wird manches kleine Ziel verfehlt, und die Banken halten Eimer und Wannen hin. Das ist halt so.

Aber ohne Wachstum wird es keine höheren Zinsen geben, keine höheren Gewinne (und damit keine dauerhaft hohe Aktienkurse). Der Aufschwung kündigt sich an. Leise, aber deutlich. Die Produktion wächst verlässlich, der Export zieht an (darüber klagen wir vorerst nicht). Steuern und Abgaben sind zum Jahresbeginn um viele Milliarden gesunken – das macht Hoffnung auf mehr Leben im Binnenmarkt. Und die ebenso konkret wie überzeugt angekündigte Entlassungswelle ist bisher ausgeblieben.

All diese positiven Signale genügen (leider) noch nicht, um die Zinsen anzuheben und den Geldfluss zu reduzieren. Aber sie müssen ausreichen für klare Ansagen: Dass die Banken tatsächlich mit neuen, radikal engen Regeln rechnen müssen, wie auf dem Höhepunkt der Krise angedroht. Dass die Geldversorgung langsam verringert wird. Dass der Staat sofort damit anfängt, die immensen Schulden abzubauen – und zwar nach einem genauen Zeitplan, ohne höhere Steuern und Abgaben, alleine durch Kostensenkungen (wie den Abbau der Subventionen, die sich auf ca. 30 Milliarden Euro jährlich belaufen). Der Staat darf nicht mehr die Einnahmen an seinen Ausgabewünschen orientieren, sondern die Wünsche an den finanziellen Möglichkeiten. Und die sind drastisch geschrumpft.

Dies sollte genügen, die Blasen in den nächsten Monaten in Schach zu halten. Und wenn dann die Wirtschaft die Börsenkurse und Rohstoffpreise eingeholt hat, dann ist es Zeit für höhere Zinsen.

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