Wer will schon nur die Welt retten?

Was wollen sie wirklich? Die Welt retten? Ein Happening? Oder Milliarden in die Dritte Welt verschieben?

Was wollen sie wirklich? Die Welt retten? Ein Happening? Oder Milliarden in die Dritte Welt verschieben?

Das kennen wir alle: Man sitzt in kleiner Runde, diskutiert ernsthaft und hat den Eindruck, in unterschiedlichen Sprachen zu reden. An eine Einigung ist dann meist nicht zu denken – da hilft nur ein Themenwechsel. Nicht einmal diese Chance hat der Klimagipfel in Kopenhagen. Und da sitzen 30.000 Menschen zusammen – und sie reden tatsächlich unterschiedliche Sprachen. Und sie haben auch noch unterschiedliche Interessen – von den Gerechten bis zu den Bittstellern, vom Alarmisten bis zum Zocker. Der Versuch einer Klassifizierung:

Jeder tut, als sei er einer. Deshalb gleich zu Beginn dieser Liste eine Ernüchterung: Die Überzeugungstäter sind nur eine kleine Minderheit in Kopenhagen. Außer ihnen will niemand einzig und allein die Welt vor einem Klimakollaps retten.

Nahe verwandt mit den Überzeugungstätern sind die Gerechten. Sie sehen im Kampf gegen den Klimawandel eine tolle Gelegenheit, die Welt zu verbessern, die gewaltigen Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern zu verkleinern. Die ideologisch getriebenen Gerechten fordern immer höhere Überweisungen in die Dritte Welt – was die Entwicklungshilfe nicht schaffte, soll nun die Klimahilfe leisten.

Die Gerechten können sich dabei sogar über Unterstützung aus einem Lager freuen, auf das sie sonst nicht gut zu sprechen sind: den Neo-Kolonialisten. Dazu zählen wir mächtige Konzerne, aber auch Spekulanten, die direkt vom Geldsegen für die Dritte Welt profitieren: weil sie Technik und Saatgut verkaufen und Einfluss gewinnen. Außerdem macht Hilfe abhängig und bindet aufstrebende Staaten in die Machtsysteme der Geldgeber ein („wess’ Brot ich ess’ …“).

Das betrachtet manche Delegation aus den armen Regionen dieser Welt nicht einmal als Nachteil – die Machteliten arrangieren sich ohnehin seit Jahren mit dem fremden Einfluss im eigenen Land. Für sie ist die Aufregung um den Klimawandel eine weitere Gelegenheit, Kapitalquellen anzuzapfen – und nicht in erster Linie für das eigene Volk. Deshalb reihen sie sich ein in den Reigen der Bittsteller, die natürlich dennoch dominiert wird von Delegationen, die in tiefer Sorge um ihr Land sind.

Aber man muss genau aufpassen. Denn die Bittsteller stellen eine große Gruppe in Kopenhagen, und das macht es leicht, als Trittbrettfahrer durchzukommen. Trittbrettfahrer sind jene Nationen, die – zum Beispiel wegen ihrer geografischen Lage oder einer grundsätzlich gesunden Wirtschaftsstruktur – nicht hilflos sind. Aber sie werden als Bittsteller geduldet. Der Preis: Abstimmungsverhalten und politischer Einfluss.

Um gute Klima in Deutschland bemüht: Kanzlerin Merkel beruhigt ihre Wähler: Klimaschutz bedeutet nicht nur Verzicht.

Um gutes Klima in Deutschland bemüht. Kanzlerin Merkel beruhigt ihre Wähler: Klimaschutz bedeutet nicht nur Verzicht.

Um den geht es ja in erster Linie in Kopenhagen. Das ist die Stunde der Diplomaten, die hinter den Kulissen um Dossiers und Vertragsformulierungen streiten, weil sich die Regierungschefs am Ende der Konferenz mit solchen Dingen nicht mehr abgeben wollen. Den Diplomaten steht dazu natürlich ein großes Instrumentarium zur Verfügung, das weit über Klimafragen hinaus geht, sich am Ende aber fast immer darauf reduzieren lässt, dass Geld fließt.

Denn hinter jedem zehntel Grad Erwärmung und jeder Tonne CO2 stehen Finanzen. Ein solches Billionen-Vorhaben zieht die Zocker an. Sie lieben die Weltrettung, weil man beim Umgang mit Billionen leicht mal eine Milliarde übersieht. Schon ist der durchaus sinnvolle Handel mit Emissionsrechten ein Zocker- und Betrügerparadies geworden, und es ist nicht ausgemacht, ob die Zocker oder die Aufpasser aus diesem Paradies vertrieben werden.

Das Streben nach Gewinn treibt natürlich auch die seriösen Profiteure des Klimawandels an. Zu ihnen gehören alle, die mit der Umstellung auf umweltfreundliches Wirtschaften Geld verdienen – vom Berater bis zum Windradbauer. Wobei es längst keine Grenzen mehr gibt zwischen „sauberen“ und den „schmutzigen“ Konzernen. Selbst die alteingesessenen Energieversorger mit ihren Kohlekraftwerken wären heutzutage arg angeschmiert, wenn die Klimaaufregung sich legte, und sie auf Milliardeninvestitionen in Windparks und Elektromobilität sitzen blieben. Und auch die meisten anderen Unternehmen haben sich ökologisch ausgerichtet. Vom Bagger bis zum Babybrei gibt es ja kaum noch ein Produkt, das nicht als angeblich klimafreundliche Variante zu haben ist. Wir wollen alle mit gutem Gewissen kaufen.

Auch deshalb fühlen sich die Politiker, auf die in der letzten Woche der Konferenz alle Scheinwerfer und Erwartungen gerichtet sind, allen Beteuerungen zum Trotz eben nicht als Klimaretter sondern in erster Linie als Lobby ihres Landes. Sie schielen dabei auf ihre Wähler – und die sind mit der Furcht vor Sturm und Fluten leichter zu mobilisieren als mit Kopfpauschale und Kriegseinsätzen. Außeredem will die Politik Lasten lieber anderen aufbürden, Chancen für die eigene Wirtschaft ergreifen und Macht bewahren – das ist ihr Geschäft. Und wenn sich das noch mit einem grünen Deckmantel nett dekorieren lässt, ist das umso besser.

Beim Dekorieren helfen die Wissenschaftler eifrig mit. Besonders gefragt als „Berater“ und „Experten“ sind die Alarmisten. Sie liefern rechtzeitig das zur Konferenz passende Horrorszenario, rechnen die Polkappen fort und die Weltmeere hoch. Obwohl Zweifel und Streit unbedingt zur Forschung gehören, wird beides nicht akzeptiert. Das haben die Politiker der Wissenschaft leider bereits beigebracht: Skepsis zahlt sich nicht aus.

Auch nicht für die Skeptiker unter den Wissenschaftlern. Sie vertreten das andere Ende der Fahnenstange. Während die einen unserem Klima befehlen wollen, bei einer Erwärmung von exakt zwei Grad eine Katastrophe auszulösen, danken die Skeptiker den Umweltverschmutzern für jede Tonne CO2 als Blumendünger. Seriös ist beides nicht.

War es das schon? Nein. Zwei Gruppen fehlen noch, aber sie sind in Kopenhagen kaum zu hören. Die erste nimmt an der Konferenz zwar teil, aber sie ist klein, und ihre Botschaften sind wenig spektakulär. Die andere hat keine laute Lobby in Kopenhagen, ist aber riesig groß. Die erste ist die Gruppe der Moderaten. Sie räumt den Klimawandel ein – auch den Einfluss der Menschen auf diese Entwicklung. Aber sie verfällt nicht in Aktionismus. Mitglieder dieser Gruppe fordern auch aus Gründen der Schonung knapper Ressourcen, dass die Welt sich von Kohle und Öl verabschiedet und mit den anderen Bodenschätzen viel sparsamer umgeht. Und sie plädieren beispielsweise dafür, die Klima-Milliarden stärker in mehr Effizienz zu stecken und in die Erforschung neuer alternativer Energiequellen als in Sonnendächer im Sauerland.

Und die letzte Gruppe (auf dieser Liste)? Das sind wir alle – nennen wir diese Gruppe mal, die Geldgeber. Denn egal, was in Kopenhagen beschlossen wird, die Rechnung zahlen wir. In Form von Abschlägen auf den Wohlstand, als Steuern oder steigende Preise. Das ist auch in Ordnung so, weil es darum geht, unsere Heimat für künftige Generationen zu bewahren. Aber es wäre trotzdem schön, wenn das mal deutlich gesagt würde.

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4 Kommentare zu Wer will schon nur die Welt retten?

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