Löst den Klima-Staatszirkus auf

gipfelpapierJetzt suchen alle den Schwarzen Peter von Kopenhagen. Waren es die sturen Industrienationen, die allein auf Wachstum fixierten Chinesen und Inder – oder die 130 Entwicklungsländer, die ihre Mehrheit missbrauchten, um an noch mehr Milliarden zu kommen? Am Ende spielt das doch alles keine Rolle. Entscheidend ist: Der Klimagipfel hat die schlimmsten Befürchtungen übertroffen, und das ist gut so. Die Welt verdankt der Mammutveranstaltung in Kopenhagen die ebenso wertvolle wie ernüchternde Erkenntnis, dass die Grenzen globaler Politik noch furchtbar eng gesteckt sind. Die angeblich letzte Chance zur Rettung unseres Planeten scheiterte an Markt, Macht und Moneten. Wenn es noch eine allerletzte Chance gibt, dann müssen sie andere nutzen – die Vereinten Nationen und ihr Klima-Staatszirkus sind dazu nicht in der Lage.

Zwei Jahre Vorbereitung, 9000 Delegierte, 120 Staats- und Regierungschefs, kein Ergebnis – eine solche Blamage wird auch nicht dadurch gemildert, dass die Erwartungen in den vergangenen Wochen bis zum Anschlag geschrumpft waren, damit die Prominenz am Ende der Veranstaltung auch einen Mini-Erfolg als große Tat verkaufen konnten. Pech gehabt: Selbst die winzigen Erwartungen wurden noch unterboten. Am Ende gab es in Kopenhagen nur eine nennenswerte Übereinkunft: Dass die Temperatur um nicht mehr als zwei Grad steigen soll. Aber das Klima ist nicht an solche Beschlüsse gebunden.

Auch wenn einige Schönredner um Schadensbegrenzung bemüht sind („ein erster kleiner Schritt auf einem langen Weg“) und den Blick nach vorne richten: Es ist nicht zu erwarten, dass der nächste Klimagipfel erfolgreicher sein wird. In einem Jahr treten in Mexiko dieselben Teilnehmer an, und sie werden wieder ihre Ziele verfolgen, die nur wenig mit „Rettet die Welt“ und viel mit Egoismus zu tun haben. Die reichen Nationen wollen ihre Pfründe verteidigen, die Schwellenländer ungebremst wachsen und die Entwicklungsländer – die mit weitem Abstand die Mehrheit der Gipfelnationen stellen – wollen 100 Milliarden Euro pro Jahr kassieren.

Es geht um Markt: Wer sich zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz macht, verliert wegen der hohen Kosten vielleicht seine Wettbewerbsfähigkeit – oder ob er durch die Innovationen neue Märkte erobert? Es geht um Macht: China füllt in Windeseile das Vakuum, das die schwächelnden Amerikaner in der Weltpolitik hinterlassen, schafft sich mit dem Kauf von Minen und Ackerland moderne Kolonien in Afrika – und soll auf ungebremstes Wachstum verzichten? Und es geht um Moneten: Die ärmsten Länder der Erde machen ihre Zustimmung zur Klimapolitik von Milliardenzahlungen abhängig – das Geld soll in Projekte zum Schutz vor den Folgen des Klimawandels investiert werden (aber bitte ohne genaue Kontrollen und unbequeme Fragen nach Korruptionsbekämpfung und Menschenrechten).

In einer Art Weltenparlament wie dem Klimagipfel lässt sich trefflich über diese Neuverteilung von Wohlstand und Einfluss diskutieren – da stören auch die rund 5000 Lobbyisten aus Umweltverbänden und Wirtschaft nicht. Aber so weit reichende Beschlüsse, wie sie der Klimawandel erfordert, lassen sich dort nicht aushandeln.

Dazu ist eine andere Runde viel besser in der Lage – sie hat in einem erstaunlichen gemeinsamen Kraftakt die Finanzkrise wirkungsvoll bekämpft und dafür weit mehr Geld bereitgestellt als der Kampf gegen die Erderwärmung erfordert: die G-20-Gruppe der wichtigsten Industrienationen und der großen Schwellenländer. Sie sind als Verschmutzer und Geldgeber ohnehin in erster Linie gefordert. Und sie haben bewiesen, dass sie an einem Strang ziehen können, wenn die Not groß ist.

Und die Not ist groß, selbst wenn der Klimawandel ausfällt oder weniger schädlich ist (was niemand ausschließen kann – aber wer würde das Risiko von „abwarten und Tee trinken“ übernehmen?). Die absolut berechen- und vorhersehbare Not entstammt nicht dem CO2, sondern der Knappheit der Rohstoffe, die wir so bedenkenlos verbrennen. Fossile Brennstoffe sind endlich. Wir müssen aus dem Kohlenstoff-Kreislauf ausbrechen. Für unser Klima, aber auch, weil es keinen Nachschub mehr gibt.

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