Klima und Konferenzen, Berge und Mäuse

Wer bremst die Klimagase? Vor der Konferenz in Kopenhagen werden die Hoffnungen gedämpft - zu viele Köche verderben das Klima.Das Dilemma mit den globalen Problemen ist, dass sie offenbar weder Politiker noch Forscher, nicht Einsichten und Konzepte verlangen, sondern Superhelden. Wer sonst kann eine Milliarde Hungernde satt machen oder die globale Klimaanlage regeln? Aber es ist kein Superheld in Sicht bei den großen Konferenzen mit ihren hehren Zielen. Nicht einmal ein einfacher Held vertritt die Welt, sondern Abgesandte mit schrecklich engen Interessen, den Interessen „ihres“ Landes oder „ihres“ Verbandes, Vereins oder Forschungsinstitutes, oder der Konzerne, die sie mit einer Mission beauftragt haben. Und manch einer verfolgt wahrscheinlich nur seine eigenen, ganz persönlichen Ziele, obwohl die Konferenz die Welt retten soll.

Das war nur einen kurzen Moment anders, als sich die Nationen unter dem Druck der Finanz- und Wirtschaftskrise zusammen fanden. Wer in den Abgrund blickt, vergisst die Eitelkeiten. Es sah zeitweise fast so aus, als könnten jetzt endlich nicht nur Regeln für die Finanzmärkte, sondern Lösungen für viele andere Probleme unseres Planeten aus einer Hand entwickelt werden. Als sich die G-20 trafen, die Chefs der 20 wichtigsten Industrienationen und Schwellenländer, sah das fast nach einem Weltparlament aus, so eng rückten sie zusammen. Es hat sich gelohnt. Der Absturz wurde verhindert.

Trockenheit, Hunger und Tod - und Mammutkonferenzen bewegen sich im Kreis.Aber schon ist die Einigkeit vorbei. Auf neue Regeln für Banken und Konzerne, um künftige Krisen zu vermeiden, warten wir vergebens. Es wird wieder gezockt. Der Egoismus ist zurück. Schlimmer noch: Jeder versucht, sein Land für den viel beschworenen Aufschwung am besten zu platzieren, die Schwäche der anderen zu nutzen, um im globalen Rennen einige Plätze gut zu machen. Vorneweg die Chinesen, die ihre enormen Devisenreserven konsequent nutzen, um weltweit Unternehmen, Wissen, Rohstoffquellen und Ackerflächen zu kaufen – ohne sich dabei an westlicher Soziallehre zu orientieren. China bringt sich in Position für den Sprung an die Weltspitze.

Die ist zwar momentan noch von den Amerikanern besetzt, aber die Krise hat den Abstieg der USA beschleunigt. Wie sich die Gewichte verschieben, zeigt sich beim Besuch des US-Präsidenten in Peking: Obama vertritt eine Nation, die bei den Chinesen tief in der Kreide steht – und weitere Milliarden braucht. Von Weltmacht ist da nicht mehr viel zu spüren. Aus der Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich auch eine Führungskrise entwickelt. Während sich die Machtverhältnisse verschieben – deutlich zu Gunsten der so genannten Schwellenländer –, neue Bündnisse entstehen, alte „führende Nationen“ um ihren Anspruch ringen, bleiben die großen Probleme ungelöst.

Das sind schlechte Zeiten für Konferenzen wie den Welternährungsgipfel oder den Weltklimagipfel. Gipfelstürmer sind nicht in Sicht, oben wird die Luft dünn. Konflikte statt Konsens in den Konferenzen – wer hat noch die Macht, globale Probleme mit dem nötigen Druck anzupacken? Klimawandel, Energiekrise, Hungersnöte, Ernährungskatastrophen, Krieg, Terrorismus. Alles hängt mit allem zusammen und natürlich auch: mit uns.

Nur langsam reift die Erkenntnis, dass der Welt eine Weltmacht fehlt – nein: kein neuer Sheriff, sondern Entscheidungsgremien mit hoher globaler Sachkompetenz. Im Vorfeld des Klimagipfels ist die Einsicht schon ein bisschen zu erkennen. Die Kanzlerin fordert von der Konferenz der 10.000 keine finale Regel, nur einen Rahmen – kleinere Runden könnten dann gangbare Wege als Lösung ausarbeiten. Kleine, kompetente, unabhängige Gremien unter dem Schirm der G-20 vielleicht. Das könnte die Lösung sein. In jedem Fall wäre das besser als Mammutversammlungen, die zuerst vollmundig die Rettung der Welt versprechen, als Berg kreißen und Mäuse gebären.

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