Eine Therapie gegen das Vertrauens-Virus

Bei Geschenken wird nicht gegeizt: Die meisten Deutschen wollen 2009 die selbe Summe investieren wie 2008.Wenigstens auf Weihnachten ist Verlass. Drei von vier Deutschen wollen bei Geschenken nicht geizen, sondern so großzügig sein wie im vergangenen Jahr. Das sagt eine Umfrage, der wir glauben. Wollen. Weil unser Glaube – besser: unser Vertrauen – in den vergangenen Wochen gelitten hat. Aber damit muss mal Schluss sein. Das Vertrauen in die Weihnachtslust der Landsleute ist ein erster Schritt. Wenn das so weitergeht, lasse ich mich noch gegen die Neue Grippe impfen. Das wäre dann schon schon ein Vertrauens-Sprung.

Denn das H1N1-Virus war schon aktiv, bevor die ersten Deutschen gehustet, geschnupft und gefiebert haben. Als Vertrauenskiller. Die Vertrauenskrankheit verläuft, ganz wie die Grippe, in Schüben: Alarm in Mexiko! Und dann Entwarnung: kaum der Rede wert. Anschließend neue Fieberkurven: Erste Todesfälle! Pandemie! Impfstoff wird knapp! Tote in Deutschland! Für Spritze Schlange stehen!

Vertrauen in Wasser und Seife - Rückgriff auf Bewährtes, bis der Impfstoff da ist.Mal ehrlich: Die Bundesregierung (mit ihren Experten in den diversen Instituten) genießt in solchen Fragen einen Vertrauensvorschuss. Wir haben sie schließlich selbst gewählt. Dass sie frühzeitig Impfstoff geordert hat, war richtig. Dass die Pharma-Industrie ihre vorzügliche Verhandlungsposition ausgenutzt hat, ist ein bisschen schändlich (Moral, Ethik, u.s.w.) und ganz viel verständlich (mal ehrlich: hätten wir nicht anders gemacht). Die Beweggründe der Regierungen in aller Welt kann ich auch nachvollziehen: Viele Menschen impfen, dem Virus so die Verbreitung schwer machen – für den Fall, dass es bösartig wird. Impfen ist vorbeugen. So weit, so vertrauensvoll.

Aber dann hat das H1N1-Vertrauens-Virus zugeschlagen. Für die Regierung wird ein anderer Impfstoff bestellt als für den Rest der Deutschen. Kabinettsmitglieder sind impfmüde. Ich höre von erstaunlich vielen Ärzten, dass sie zwar impfen – aber sich nicht impfen lassen. An Schwangere und Kinder hat keiner gedacht. Und die Verteilung des Impfstoffs läuft ruckelnder ab als die Verteilung von Nahrungsmittelhilfen in Burkina Faso – bis hin zur Bitte, doch den Bedürftigen Vortritt zu lassen. Frauen und Kinder zuerst in die Boote. Sinken wir denn schon?

Keine Panik: Die Eisberge tauen. Und wie schnell, berichten Wissenschaftler. Das Grönland-Eis schmilzt dahin, der Meeresspiegel steigt. Da ist Holland in Not. Oder nicht? Doch nur PR-Geklingel von Forschern, die dem Klimawandel fette Aufträge verdanken, im Vorfeld des Weltklimagipfels? Am Ende ist es sogar richtig, dass im Gegenzug die Schneedecke der Antarktis dicker wird. Also brauchen wir doch keine Atomkraftwerke mehr gegen CO2 und können uns Elektroautos sparen (aber die sind ja auch nicht ganz sauber, wenn der Strom aus Kohlekraftwerken stammt)?

Das wird Opel gar nicht gerne hören – ein Batterie-Fahrzeug gehört doch zu den Vorzeige-Visionen der Rüsselsheimer, die nun doch nicht gerettet werden müssen. Das kann man sich so vorstellen: Da eilt das halbe Kabinett mit Blaulicht und Ta-tü-ta-taaaa zum Unfallort, ordnet die potenziellen Opfer per Megafon und lässt schon mal Dankes-Stimmzettel verteilen. Und dann kommt einer und sagt: Alles halb so wild; geht mal schön nach Hause – aber lasst bitte die Infusionen hier, die Milliarden-Infusionen.

Wem kann man da noch vertrauen? Am besten sich selbst – der gesunde Menschenverstand und die Tageszeitung sollten genügen, um sich eine Meinung zu bilden. Ansonsten: nicht bange machen lassen.

Ich fange mal mit kleinen Schritten an: Also die Deutschen geizen nicht mit Geschenken. Gut. Opel braucht zwar Milliarden, aber keinen Retter. Prima. Und die Impfung gegen die Neue Grippe hat auch was für sich. Okay – das genügt zu H1N1. Und die SPD wird unter neuer Führung ihre vielen Flügel los. Stopp! Stimmt: Das ist ein bisschen zu viel verlangt für den Anfang …

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