Als Geschenk: Kleine Taten und Lagerware

Die Freude aufs Fest hat endlich auch Politik und Wirtschaft erreicht: Es wird verpackt, verschenkt und versprochen.Es weihnachtet sehr. Wochen nachdem die Supermärkte noch früher als sonst mit Dominosteinen gepflastert waren, geben sich jetzt auch Politik und Wirtschaft der Vorfreude hin. Am deutlichsten war das Weihnachtsgefühl beim EU-Gipfel zum Klimawandel zu spüren. Hier wurden Geschenke für den Klimagipfel in Kopenhagen geschnürt, indem die Staats- und Regierungschefs eifrig kleine Taten in große Worte packten. Alleine die Erkenntnis, dass die Entwicklungsländer schon bald Jahr für Jahr um die 100 Milliarden Euro für Klimaschutz ausgeben müssen, wurde schon als „sehr, sehr gutes Ergebnis“ (Kanzlerin Merkel) gefeiert. Aber woher sollen die Armen so viel Geld nehmen? Da wird das Klima-Präsent zur Wundertüte. Nicht einmal die EU-Chefs haben sich festgelegt, welchen Anteil die EU übernimmt. Solche Details werden in Arbeitsgruppen eingetütet – oder auf die lange Bank geschoben.

Damit kommen die Arbeitsgruppen nicht durch, die jetzt bei Quelle das finale Weihnachtsgeschäft des Unternehmens bewältigen müssen. Fette Rabatte locken ins Internet und in die Quelle-Läden. Gut 1000 Lkw-Ladungen Ware müssen unters Volk gebracht werden; die Mitarbeiter fahren Sonderschichten bis zur Arbeitslosigkeit. Ob das Christkind im erhofften Maß zuschlägt, ist unklar, weil der Vertragspartner nach dem Verkauf definitiv Schluss macht – Ratenzahlungen erlaubt das nicht, und Garantieversprechen müssen andere einlösen.

Das ist manchmal so mit Versprechen – deshalb auch die Wortnähe zum Versprecher, mit dem man sich rausreden kann. Zur Weihnachtszeit verspricht die neue Regierung ja auch so einiges, in erster Linie Steuersenkungen. Die sollen endlich uns Sparweltmeister zum Einkaufen bewegen – und das über die Zeit der Geschenke hinaus. Wahrscheinlich will Schwarz-Gelb das Geld auch deswegen nicht auf einen Schlag bereit stellen. Mal sehen, ob alleine schon die Hoffnung auf mehr Netto in 2011 (und die Aussicht auf Zinserhöhungen gleich Anfang 2010) in 2009 das Geschäft ankurbelt. Eher nicht – bei Steuergeschenken zahlt sich Salami-Taktik wirtschaftlich eher nicht aus (politisch vielleicht, weil man dann viele Monate lang über die eigene Großzügigkeit reden kann).

Wie schnell sich staatliche Anreize auf die Kauflaune auswirken, beweisen die Amerikaner. Deren Abwrackprämie (um die 3000 Euro – und sogar an Umweltauflagen gebunden) und ein Steuernachlass beim Hauskauf haben den privaten Konsum zum Konjunktur-Zugpferd gemacht: Aufs Jahr hochgerechnet sind diese Ausgaben im dritten Quartal um 3,4 Prozent gestiegen – die Amerikaner haben ihre Freude am Geldausgeben wiederentdeckt. Jetzt hoffen die Experten, dass auch die Unternehmen einkaufen gehen: sich neue Firmenwagen und Maschinen zulegen, und auch neue Mitarbeiter einstellen, um die enorme Arbeitslosigkeit zu stoppen. Dann ist die Rezession in Amerika wirklich vorbei. Und das wäre ein richtig schönes Weihnachtsgeschenk.

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