Gerettet wird später. Zum Glück.

Werden hier die Karten für Opel neu gemischt? Der Sitz der EU-Kommission in Brüssel.Gleich zu Beginn sei es gesagt, damit es nicht vergessen wird: Die Opelaner können uns Leid tun. Die Mitarbeiter, Zulieferer und Händler. Bangen, hoffen, aufatmen, wieder zittern, jubeln und jetzt das: Opel bewegt sich erneut im Rückwärtsgang. Die Rettung, eine endlich beschlossene Sache, ist in Frage gestellt. Nicht obwohl, sondern weil er wie eine beschlossene Sache ausgesehen hat, der Verkauf an Magna. Die Regierung Merkel/Steinmeier steht ganz schön blamiert da, aber sie ist ja zur Hälfte abgewählt. Als hätten es die Wähler geahnt, dass die Rettung auf ihre Kosten geht. Kurz vor dem Ziel tritt jetzt die EU jetzt auf die Bremse. Das ist ein Glück – für uns Steuerzahler. Und für Opel.

Auch der Rückspiegel hält fest: Die Bundesregierung hat sich früh auf den einen Opel-Retter festgelegt, den aus Österreich, Kanada und Russland. Sie wollte sich nicht mit dem zeitweise allein für Opel sprechenden Betriebsratschef Franz anlegen, der die Opelaner und die IG Metall für Magna mobilisierte. Sie war gebannt von der Aussicht auf engere Freundschaft mit Moskau und die enormen Marktchancen in Russland. Aber über allem strahlte die Sicherheit möglichst vieler Arbeitsplätze in den deutschen Opel-Standorten. Kaufmännisch ließ sich das nie begründen – doch was bedeutet so etwas schon im Wahlkampf. Da wurde ja auch mitten in der größten Krise eine Steuersenkung versprochen.

Weder durch die von ihr selbst berufenen Experten, die Magna ablehnten, noch durch die vielfältigen Bedenken des Verkäufers GM ließ sich die Bundesregierung vom Kurs abbringen. Sie hatte mächtige Argumente. Gut drei Milliarden Argumente. Euros. Moneten für Magna. Und für ein „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ im Wahlkampf.

Der ist vorbei. Und jetzt sitzt nicht mehr Angela Merkel, sondern eine andere Frau am Steuer: die Wettbewerbskommissarin der EU, Nelli Kroes. Auch sie sagt nicht, dass das Sanierungskonzept von Magna wackelig ist (es ist zumindest äußerst optimistisch). Sie verlangt „nur“ einen Persilschein mit der Zusicherung, dass es bei der Vergabe der Steuermilliarden für Opel mit rechten (= rein betriebswirtschaftlichen) Dingen zugegangen ist. Den hat sie aber noch nicht bekommen. Eben weil sich Berlin so früh und deutlich auf einen Retter und dessen an deutschen Wünschen orientiertes Konzept festgelegt hat.

Noch zögern sie, aber es mag sein, dass die Amerikaner unter politischem Druck diesen Persilschein noch ausstellen am 3. November. Wahrscheinlich ist das nicht. Eher werden sie sich erneut selbst als Retter anbieten und fordern, dass sie nicht mehr benachteiligt werden in einem neuen Bieterverfahren – auf das Brüssel und seine Wettbewerbshüterin genau aufpassen – und im Fall des Falles selbst in den Genuss der Berliner Milliarden kommen.

Dann werden Kaufleute gehört und nicht Parteistrategen. Dann werden die Retter daran gemessen, ob die Rettung nachhaltig ist und nicht an kurzfristigen Wahlversprechen orientiert. Das kann nur gut sein. Für die Steuerzahler, die ein Milliarden-Risiko finanzieren müssen. Für die Bundesregierung, die sich nicht aus der politischen Verantwortung stehlen kann für den Einsatz dieser Milliarden. Und für das Traditionsunternehmen Opel, dem nicht Wunschdenken aus der Krise hilft, sondern eine Sanierung.

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