Ohne Bildung und ohne Butterbrot

Dicke Eltern, dicke Kinder. Keine Bildung - kein Butterbrot.Dass die sich das trauen, die Kolleginnen und Kollegen vom Evangelischen Pressedienst EPD. So was zu schreiben: Arme Kinder sind besonders dick. Naja, sie formulieren schon geschickter. „Sozial benachteiligt“ statt arm. Und was von schlechter Ernährung. Aber unterm Strich wird schon recht deutlich, dass Menschen mit zu wenig Geld in der Tasche eher zu viel auf den Rippen haben.

Aber warum? Da wird es – weil das ja ein heikles Thema ist, und heikle Themen spätestens seit den Anfeindungen gegen den Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin und seiner grob geschnitzten Kritik an Berliner Migranten noch mehr Mut erfordern als ohnehin schon – also bei der Frage, warum arme Kinder oft auch dick sind, muss ich im Text suchen. Aber: Wer suchet, der findet.

Die erste Antwort liegt auf der Hand: Weil diese Kinder oft Tortenböden statt Vollkornbrot essen. Und weil abends der Pizzadienst kommt, „obwohl das Haushaltseinkommen gering ist“. Aber warum ernähren sich die Armen so falsch – zu viele Kalorien und nicht mal billig?

Das beantwortet Fernsehköchin Sarah Wiener mutig: „Essen hat auch etwas mit Bildung zu tun“, sagt sie dem EPD. Und Bildung ist nun mal nicht aus Kochsendungen zu beziehen – Bildschirme sind keine Bildungsschirme. Und wer schaut sich diese Sendungen tagsüber ohne Unterlass an? Die Eltern. Womit wir beim Schlüssel zur Lösung dieses Problems sind.

Die Eltern lassen die Kinder bei der Ernährung im Stich, sagt der Dortmunder Haushaltswissenschaftler Günter Eissing, Professor an der TU. Eltern, die wenig Geld zur Verfügung haben, geben ihrem Nachwuchs lieber einen Euro mit in die Schule als ein Butterbrot. Bildungsfern – und fern vom Butterbrot. Und weil sie es nicht anders lernen, werden auch die Kinder in diesem Milieu aus Kochsendungen ohne Nährwert und Pizzadienst verharren. Und deren Kinder ebenso. Am Tortenboden zerstört.

Keine Frage des Geldes, übrigens. Der Dortmunder Professor hat das wissenschaftlich überprüfen lassen. Mit dem Geld, das einem Hartz-IV-Empfänger für Ernährung und (nicht-alkoholische) Getränke zur Verfügung steht, kann man sich gesund ernähren, sagt er. Dazu braucht es aber eine gewisse Kompetenz beim Einkauf, bei der Essensplanung und –zubereitung. Daran scheitern heute viele Haushalte.

Früher wurde das Wissen um Rezepte, Kochtopf und Backofen von Generation zu Generation weitergegeben. Heute das Übergewicht. Dicke Kinder haben oft dicke Eltern, und die haben oft ein geringes Einkommen und niedrigen Sozialstatus. Deshalb müssen andere eingreifen, den Teufelskreis durchbrechen und die Kinder bekannt machen mit Obst und Gemüse (das sie allenfalls als Zutaten aus Kochsendungen kennen – so fern und fremd wie Alien-Nahrung). Warum nicht einen Teil der Sozialleistungen in Form von Kochkursen und gesundem Essen auszahlen?

Gefahr erkannt! Gefahr gebannt? Eben nicht. Sie muss auch bekannt gemacht werden. Und zwar ohne rührselige Geschichten von bedauernswerten Menschen in prekären Verhältnissen, die man gefälligst mit mehr Geld ausstatten und in Ruhe lassen soll. Mehr Geld hilft da überhaupt nicht, sondern mehr Bildung. Womit wir wieder bei Herrn Sarrazin wären.

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