Monster, Mäuse und Elefanten

Bravo, Barack Obama. In seiner ersten Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hat der US-Präsident den Wandel beschworen. Und sich selbst und seiner stolzen Nation Bescheidenheit verordnet. Zusammenfassend: Die großen Probleme (wie Hunger, Terror, Klimawandel) sind noch nicht gelöst. Und kein Land ist mächtig genug, sie alleine anzupacken. Stimmt.

Gemeinsam anpacken, das geht. Den Beweis haben die wichtigsten Nationen in den vergangenen Monaten angetreten, als sie es schafften, vereint zu verhindern, dass uns die Krise in den Abgrund zieht. Das Ergebnis ist in Deutschland zu besichtigen, wo die Konsumlaune nach wie vor erfreulich ist. Aber immer noch viel zu niedrig, finden die Amerikaner. Und schon sind wir bei einer der Nagelproben für Obamas neue Weltpolitik.

Denn ob der US-Präsident selbst nach seiner neuen Erkenntnis handelt, und ob ihm genügend andere Staatenlenker auf dem Wandelgang folgen, ist live zu beobachten. Auf dem G20-Gipfel in Pittsburgh. Hier wird sich zeigen, ob der Schulterschluss noch eng genug ist, nachdem die böse Krise vom Monster zum Mäuschen geschrumpft ist. Das laue Lüftchen des Mini-Aufschwungs hat schon nationale Hitzewallungen entfacht.

Das Monster Krise ist zur Maus geschrumpft. Und mit ihm die Bereitschaft zum Wandel.Dass der deutsche Export schon wieder brummt, löst in Berlin Freudensprünge aus. Die Amerikaner sehen es mit Schrecken. Sie wollen uns (gemeinsam mit den Briten) dazu zwingen, die Binnennachfrage anzukurbeln – um dem Export mehr Import an die Seite zu stellen und so den Überschuss in der Handelsbilanz abzubauen. Das wird Merkel nicht tun (in diesem Fall sind wir halt das brave, voll integrierte, willenlose EU-Mitglied – und die EU hat keinen schrecklichen Handelsüberschuss). Die Chinesen mit ihren Billionen US-Dollar auf der hohen Kante sehen das für sich ähnlich. Die Schräglage bleibt: Die Konsum- und Kreditnationen auf der einen, die Export- und Sparnationen auf der anderen Seite – die nächste Blase wird aufgepumpt.

Im Gegenzug werden die Amerikaner und Briten mauern bei allzu engen Zügeln für die Geldwirtschaft – das ist ein gewaltiges Geschäft. Eine Industrie. Neben dem, was Zocker um die Welt schicken, sind die Rechnungen für Waren und Dienstleistungen nicht mal Trinkgeld. In London und an der Wall Street in New York werden schon wieder Milliardengewinne eingefahren – und ganz gewiss nicht mit risikoarmen Krediten an vertrauenswürdige Mittelständler.

USA gegen EU: 1:1. Ausgleich. Stillstand.

Wenn Obama nicht voran geht und schnell Verbündete hinter sich sammelt – gleich in Pittsburgh –, dann ist die letzte Chance vertan, die Weltwirtschaft nach dem Krisenschock neu zu ordnen; sie gemeinsam und wohl bedacht aus der Notfallprogrammierung in eine neue Standardschaltung zu überführen und alles zu tun, damit solche Finanzkrisen nicht mehr vorkommen. In diesem Fall ist die aufkeimende Hoffnung der schlimmste Feind der guten Tat, und ich fürchte, der Optimismus wird über die Fakten siegen.

Der Kongress gebiert eine Maus - und die wird uns als Elefant verkauft.Wie das geht, hat schon der kleine Klimagipfel in New York gezeigt – denn da hat sich Wandel-Obama kaum bewegt. Das von ihm angestrebte US-Klimagesetz steht erst 2010 auf der Agenda – diesem Vorbild folgen die Chinesen und Inder gerne. Das angeblich so drängende Problem landet auf der langen Bank.

Es steht zu befürchten, dass es dem Klimagipfel in Kopenhagen nicht anders ergeht als dem Finanzgipfel in Pittsburgh, weil im einen Fall die Not noch nicht und im anderen Fall nicht mehr groß genug ist. Die Kongresse kreißen und bringen Mäuse zur Welt. Aber die werden uns als Elefant verkauft.

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