Abschiede, Zinsen und Zocker

Geld bleibt billig. Leitzins: 1,0 Prozent. Ob das die Kreditvergabe beflügelt - oder die Spekulanten?Sichere Arbeit, Fernreisen, reiche Ärzte, Vertrauen in Banken, Abwrackprämie, Glühbirne, Dieter Althaus. Die Herausforderungen unserer Zeit (also: Krise, Klimawandel, große Koalition) werden von Abschieden begleitet. Die nächsten Kandidaten sind schon bekannt: Die „Ehrenrunde“ in der Schule (weil sie angeblich fast eine Milliarde Euro im Jahr zusätzlich kostet und weder bei den Sitzenbleibern noch bei den von ihnen befreiten Klassen wirkt) und die Energiesparlampe (weil sie Quecksilber enthält und angeblich schlimmer strahlt als ein Handy).

Aber die niedrigen Zinsen seit Mai. Die bleiben uns treu. Leitzins: 1,0 Prozent. Unverändert. Bravo. Zwar stehen die Zeichen auf Wachstum, aber die Krise ist noch längst nicht überwunden. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) – früh und beherzt die Zinsen runter und viel billiges Geld verleihen (allein im Juni flossen insgesamt 442 Milliarden Euro an mehr als 1000 Banken) – hat erheblich dazu beigetragen, dass wir jetzt nicht mehr in einen Abgrund blicken, sondern auf einen sanften Anstieg.

Und noch ist die Inflation im Keller: dank Energie und Landwirtschaft sind die Verbraucherpreise im Durchschnitt sogar gesunken. Kein Inflationsalarm macht die Währungshüter nervös. Das wird noch eine Weile so bleiben; zumindest bis Ende 2010 sieht die EZB nicht, dass ihre magische Grenze von 2,0 Prozent auch nur annähernd erreicht wird. Weder der zarte Aufschwung noch die riesigen Geldsummen heizen die Inflation momentan an.

Aber kommen sie auch da an, wo sie gebraucht werden, die billigen Euro-Milliarden? Das ist nicht so hundertprozentig sicher. Immer noch klagen Unternehmen und Verbände über eine akute oder zumindest drohende Kreditklemme. In diesem Geschäft fehlt manchen Banken wohl der Mut zum Risiko – oder dieser Mut wird nicht gut genug bezahlt.

Der Mut fehlt aber nicht überall: Ob Aktien oder Rohstoffe – wo Spekulanten landen können, zünden sie schon wieder Kursfeuerwerke. Niedrige Zinsen bescheren halt billiges Geld, aber keine tollen Anlagemöglichkeiten. Die sind nur in riskanteren Regionen des Finanzmarktes zu finden. Und schon geht die Geschichte von vorne los? Wer wollte die Spekulationen stoppen, den Zockern Fesseln anlegen?

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