9-11 und 9-15 – lernen nach Zahlen in zwei Lektionen

9-11 - der Tag, an dem die Welt den Atem anhielt.

9-11 (nine-eleven) – zwei Ziffern, ein Symbol. Die Welt erinnert sich: Flugzeuge schlagen ein in das World Trade Center in New York; zwei Wolkenkratzer stürzen ein und mit ihnen der letzte Glaube an Sicherheit und eine stabile Weltordnung. Heute muss sich die Bundeswehr dafür verteidigen, dass sie in den Krieg gegen den Terrorismus eingetreten ist. Weil wir vergessen haben, dass es nicht darum geht, Brunnen zu bohren, Brücken zu bauen und Mädchen in die Schule zu bringen. Nicht einmal darum, den Anschein von Demokratie selbst gegen massiven Wahlbetrug aufrecht zu erhalten. Nein. Es geht ausschließlich darum zu verhindern, dass sich Terroristen einen Staat unter den Nagel reißen, um anschließen erneut die Welt zu erpressen. Punkt. Das ist die Lektion, die alle lernen müssen: Hier findet ein Krieg statt. Ein Krieg gegen den Terrorismus. Soldaten kämpfen gegen Selbstmordattentäter, gegen Kriminelle in einem Kulturkreis, für dessen Regeln (auch Kampfesregeln) ihnen jegliches Verständnis fehlt. Zu denken, es gehe um eine humanitäre Aktion, befristet und unblutig – zumindest ohne „unschuldige“ Opfer – war angenehm. Und falsch. Von dieser Täuschung sind wir jetzt wohl befreit worden – kurz vor dem Jahrestag des großen Terrorangriffes auf New York und Washington (ohne die Angriffe auf London und Madrid und die geplanten Angriffe auf deutsche Ziele zu vergessen).

Selbstbetrug ist eine der wesentlichen Ursachen von Enttäuschung. Das sollten wir uns auch merken, wenn wir den nächsten Jahrestag begehen.

9-15 - Lehman Brothers scheitert. Ein weiterer Tag, an dem die Welt den Atem anhielt.9-15 (nine-fifteen) – zwei Ziffern, aber noch kein Symbol. Mit Schaudern erinnert sich die Welt, als gleich neben „Ground Zero“, in der Wall Street, ein Bankhaus zusammenbrach – und mit ihm auch die ganze Finanzwelt. Die Investmentbank Lehman Brothers war zu groß, als dass man sie in die Pleite schicken konnte. Aber das geflügelte Wort vom „too big to fail“ besaß noch keinen Quasi-Gesetzesstatus. Das geschah gleich nach Lehman. Viele große Geschäftsbanken, die das Jahr überlebt haben, waren zu groß für die Pleite. Die Staaten und Steuerzahler der Welt haben sie gerettet. Nicht, weil wir den Bankern ihre Jobs und ihre Boni gönnen, sondern um den Zusammenbruch der Weltwirtschaft zu verhindern.

Dabei sind haarsträubende Erkenntnisse gewonnen worden. Einige Begriffe haben es sogar in die Stammtischsprache geschafft: Schrottpapiere, Boni, Gier, HRE, Zocker, Immobilienblase. Die Welt hatte Scheinwerte produziert im Vertrauen auf die Verlässlichkeit ihrer Banken, Börsen und Ratingagenturen. Das Vertrauen ist dahin, die Werte sind dahin, wir spüren es als Verlust von Wohlstand.

Die Lektion daraus ist so klar wie die Lektion aus den Afghanistan-Jahren. Viel bessere Bankenaufsicht, deutlich größeres Eigenkapital, Bonuszahlungen nach tatsächlichem, nachhaltigem Erfolg, den Staat und die Steuerzahler weniger erpressbar machen. Diese Erkenntnis ist heute schon vorhanden – am ersten Jahrestag von Lehman: 9-15. Geschehen wird nur wenig, viel zu wenig, um solche Krisen zu verhindern. In wenigen Wochen, beim Weltfinanzgipfel in Pittsburgh, wird mehr um nationale Interessen gerungen als um globale Regeln gegen die Zocker. Es geht ja schon wieder aufwärts. Und bis zum nächsten Crash sind längst die Nachfolger im Amt.

Dieser Beitrag wurde unter Ökonologie abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu 9-11 und 9-15 – lernen nach Zahlen in zwei Lektionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.