Die Qual der Wahl der Opel-Retter

Der Blitz aus Rüsselsheim - der Donner aus Detoit: GM droht an, sich nun doch nicht von Opel zu trennen.Weil Sommer ist, stellen wir uns die Rettung von Opel mal am Badesee vor: Da ist ein rüstiger, älterer Herr (zu erkennen am Blitz auf der Badekappe) ein bisschen zu forsch und zu weit hinaus geschwommen. Es kommt ein fieses Wetter auf. Der Schwimmer ruft um Hilfe. Beherzt werfen ihm die Bademeister Merkel und Steinmeier einen Rettungsring zu. Aber der ist undicht und wird nicht bis zum Ufer halten. Rasch finden sich weitere Retter ein, aber die Bademeister wollen nur einen starten lassen. Es kommt zum Handgemenge, während der Schwimmer „Hilfe!“ ruft, und sein Rettungsreifen leise zischt.

Schlimm genug. Aber es geht schlimmer, und da passen keine einfachen Badesee-Bilder mehr. Denn jetzt wird die Rettungsaktion noch komplizierter. GM will vielleicht überhaupt nicht verkaufen, sondern Opel für sich behalten. Heißt es. Das mag nur eine Finte sein im Poker um den richtigen Partner – und um Milliarden aus der Berliner Staatsschatulle. Aber es könnte auch durchaus ernst gemeint sein. Dumm nur, dass die schlechteren Karten in deutscher Hand sind. Bei Merkel/Steinmeier und der Opel-Belegschaft. Schuld ist die Sturheit von Bundesregierung, Opel-Betriebsrat und Gewerkschaften.

Die Lage ist klar, aber verfahren: GM ist nach Insolvenz und faktischer Übernahme durch den Staat und dank der amerikanischen Abwrackprämie von aktuellen Geldnöten befreit. Der Zwang, die leidende deutsche Tochter Opel zu verkaufen, besteht nicht mehr. Im Gegenteil: GM fürchtet um das Europageschäft und um einige Tausend kluge Köpfe in Rüsselsheim, die den Amerikanern bessere Autos entwickeln. Dass die Bundesregierung (inkl. Betriebsrat und Gewerkschaften) sich früh an den österreichisch-kanadischen Investor Magna gekettet hat, macht die Sache besonders schwierig: Im Hintergrund lauern nämlich die Russen, die das Magna-Geschäft finanzieren sollen und allzu gerne Opel-Wissen für ihre maroden Auto-Schmieden absaugen würden. GM (und Washington) sehen dann schwarz: Europa-Geschäft futsch, Russlandgeschäft futsch und in aufstrebenden Schwellenländern neue Konkurrenz durch billige Russen-Autos mit Opel-Technik.

Deshalb favorisieren die Amerikaner den Finanzinvestor RHJI – einen alten Bekannten (und eventuell Garant dafür, dass Opel nach erfolgter Sanierung wieder an GM verkauft wird). Die Bundesregierung zeigt diesem Interessenten aber die kalte Schulter – Heuschrecke, Freunde von GM und von der IG Metall abgelehnt. Raus. Und das, obwohl RHJI weniger Geld aus der Staatskasse beansprucht.

Magna gegen RHJI, Berlin gegen Detroit. Und jetzt das Kaninchen aus dem Zylinder: GM sammelt in den anderen europäischen Standorten von Opel (und Vauxhall!) Subventionen ein, wird dazu passende Arbeitsplatzgarantien abgeben und behält Opel in der Hand. Das beweist: Die Amerikaner interessiert nur am Rande, was Berlin und die Ministerpräsidenten der deutschen Opel-Standorte (oder die IG Metall) wünschen. Und womit wollen die auch drohen?

Der Schwarze Peter liegt in Deutschland; der Druck auf die Bundesregierung wächst von allen Seiten. Klammert sie sich weiter an Magna, können die Amerikaner stur bleiben, blockieren und abwarten – sogar bis zur Insolvenz von Opel, in jedem Fall aber bis nach dem 27. September. Öffnet sich Berlin für eine der anderen Lösungen, bringt sie die Gewerkschaften und den Opel-Betriebsrat gegen sich auf – das Gegenteil von Mitarbeiter-Rettungs-Jubelfeier, mitten im Wahlkampf. Das ist die wahre Qual der Wahl.

Was bleibt dem Gespann Merkel/Seinmeier? Mit Verweis auf die bösen, sturen Amerikaner bis nach der Wahl abwarten. Und dann vom Druck befreit neu denken. Sonst gehen die Rettungsschwimmer baden.

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