Von Birnen und Hamstern und Energiesparlampenlobby

Er kümmert sich nicht um Stromfresser, sondern ums Fressen: der Hamster.

Hamstern. Das letzte Mal, dass ich dieses Wort gehört habe, muss Jahre zurück liegen. Wann haben die Deutschen zuletzt „gehamstert“? Verzeihung; falls Sie die Bedeutung des Wortes nicht kennen (durchaus verständlich für die Wirtschaftswundergeneration) – es bedeutet: große Vorräte (jenseits der so genannten „haushaltsüblichen Mengen“) bestimmter Waren anlegen aus Furcht vor Zeiten des Mangels. Jetzt stehen uns offenbar solche Zeiten bevor. Es wird wieder gehamstert in unserem Land. Und zwar in Baumärkten und Elektrofachgeschäften. Die Deutschen hamstern nicht Brot, Bananen oder Benzin. Sie hamstern Glühbirnen. Denn die werden bald Mangelware sein. Die EU hat Glühbirnen (zumindest die mattierten, die so warmes Licht geben) auf die Rote Liste der Klima-Killer gesetzt – noch deutlich vor S-Klasse-Dienstwagen in Spanien.  Denn Glühbirnen verbreiten Hitze, fressen Strom und sind völlig ineffektiv. Sie machen heiß statt hell. 100 Watt Energie rein – fünf Watt Licht raus. Das ist schlecht für die Umwelt, bedroht sowohl das Klima als auch die Erfolgsbilanz der Umweltminister und ist deshalb verboten. Ab 1. September trifft es zuerst die Glühbirnen mit 100 Watt. Aus. Zum Glück gibt es Alternativen, in erster Linie die Energiesparlampen. Aber die sind auch nicht immer ganz passend. Als Freund der Umwelt und des guten Klimas kaufe ich diese Lampen schon lange. Schon seit ich in der Zeit, die sie fürs hell werden brauchten, regelmäßig überm Buch eingeschlafen bin. Seit die Ungetüme meine Lampenschirme sprengten, zur Sammlung alter, ungenutzter Energiesparlampen in den Keller wanderten und durch – ich gebe es zu – kleinere, sofort hell strahlende Glühlampen ersetzt wurden. Trotzdem werde ich nicht hamstern. Ich glaube ziemlich fest, dass die Energiesparlampenherstellerlobby nicht fehl geht mit ihrer Behauptung, inzwischen seien ihre Produkte ruckzuck hell und verstrahlten ein wunderbar wohnliches Licht. Und ich bin überzeugt, dass die gewöhnliche Energiesparlampe so lange hält, dass ich in dieser Zeit locker 15 oder mehr Glühbirnen ersetzen müsste (wobei ich mich nicht erinnern kann, an irgendeiner Stelle des Hauses in den vergangenen zehn Jahren mehr als zweimal Glühbirnen erneuert zu haben). Und natürlich sparen sie Energie und Geld – schon im ersten Jahr. Wenn ich sie nur lange genug brennen lasse. Also gehe ich nicht hamstern und schüttele den Kopf über so viel Unvernunft, schaue aber gleich morgen zur Sicherheit im Haus nach, wo Glühbirnen an Stellen leuchten, an denen keine Energiesparlampe so richtig passt und gehe dann Ersatz erwerben – in bescheidener Stückzahl natürlich. Denn gehamstert wird nicht.

Dieser Beitrag wurde unter Ökonologie abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Von Birnen und Hamstern und Energiesparlampenlobby

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.