Ökostrom und Energiewende: Die Sonne schickt doch eine Rechnung

Mehr davon - das wäre schön. Aber die Wasserkraft kann in Deutschland bei der Stromerzeugung keine große Rolle spielen. Sogar der Bau von Pumpspeicherkraftwerken, um Ökostrom zu puffern, ist fast unmöglich.

Manche Nachrichten, die gut klingen, verheißen Schlimmes. So ist es auch mit den Meldungen über den jüngsten Solarstrom-Rekord. Im Juni ist in Deutschland so viel Sonnen- in Elektroenergie umgewandelt worden wie nie zuvor. Mit Siebenmeilenstiefeln, so klingt das, machen wir uns frei von Atom und Kohle und Gas – und füllen unsere Steckdosen mit Sonnenschein. Fast gratis. In Wirklichkeit marschieren wir rasant in eine Kostenfalle. Die Sonne schickt halt doch Rechnungen: Die nächste wird im August fällig, wenn die Öko-Umlage für 2014 verkündet wird. Mal sehen, wie die Parteien das in ihren Wahlkampf einbauen.

Denn das wird das Gegenteil einer Strompreisbremse: Dass der Juni-Rekord trotz trüben Wetters gelungen ist, bestätigt die Befürchtungen der Preispessimisten. Demnach wird der Öko-Aufpreis auf den Strom von derzeit 5,3 Cent pro Kilowattstunde im kommenden Jahr um gut einen Cent auf deutlich über sechs Cent steigen – also um ca. 20 Prozent. Und dann wird noch die Mehrwertsteuer draufgepackt. Das allein genügt für eine Preiserhöhung für private Haushalte um sechs bis sieben Prozent.

Der neue Öko-Zuschlag wird im August ausgerechnet; für staatliche Korrekturen, die von allen Parteien inzwischen mit „Strompreisbremse“ überschrieben werden, ist keine Zeit mehr. Der Strom in Deutschland wird noch einmal kräftig teurer.

Damit erlauben wir uns international eine Sonderrolle. Denn Strom wird fast überall billiger. Das bereitet vor allem der Wirtschaft heute schon erhebliche Probleme – Industriestrom ist in den USA zum Beispiel für weniger als die Hälfte des deutschen Preises zu haben. Das hängt direkt mit der Förderung von Schiefergas zusammen, die in Amerika zu einem Preisverfall für fossile Energieträger, vor allem Erdgas, geführt hat. Aber es hängt halt auch mit der Energiewende zusammen.

Die deutschen Wende-Architekten gingen von der Annahme aus, dass Strom aus Kohle und Gas immer teurer wird; Sonnen- und Windenergie immer billiger. Völlig falsch. Dank des schnellen Aufbaus von Windrädern und vor allem dank der inzwischen 1,3 Millionen Photovoltaik-Anlagen herrscht immer häufiger ein Strom-Überangebot. Das drückt den Preis, während die Öko-Förderung trotz sinkender Vergütungen in der Summe teurer wird. Außerdem funktioniert die künstliche Verteuerung des konventionell erzeugten Stroms durch CO2-Zertifikate nicht, weil auch hier ein Überangebot herrscht und die Preise im Keller sind: Statt um die 30 Euro kosten ein Zertifikat noch um die 4 Euro. Die Folge: Strom kostet an der Börse nicht mehr gut 5 Cent pro Kilowattstunde, sondern um die 3 Cent. Und so schnell greift die künstliche Verknappung nicht, über die die EU verhandelt. Der Kompromiss, den das EU-Parlament beschlossen hat, wird kaum dazu führen, dass die Preise hoch genug steigen. Allenfalls auf 10 Euro statt der erhofften 20 Euro, schätzen Experten.

Was erfreulich klingt, wird zum Problem, weil mit der Öko-Umlage die Differenz zwischen Börsenpreis und garantiertem Öko-Förderpreis ausgeglichen wird. Und diese Schere öffnet sich immer weiter: Wenn der Strom billiger wird, steigt der Zuschlag. Und steigt und steigt.

Jedoch: Das erhoffte Ergebnis bleibt bisher aus. So wie die Milliarden für Familien nicht zum Kindersegen führen, reduzieren die Milliarden für Ökostrom den CO2-Ausstoß nicht. Im Gegenteil: Die Emissionen steigen.

Die politischen Rahmenbedingungen werden sich leider nicht so bald ändern. Eine gründliche Überarbeitung des Gesetzes für die erneuerbaren Energien (EEG) ist vertagt bis nach der Wahl – und wegen seiner Komplexität kaum vor Ende 2014 zu erwarten. Der Bundestagswahlkampf bietet gute Gelegenheit, die Parteien peinlich nach ihren Rezepten gegen diese Misere zu befragen – und sich nicht mit einer pauschalen Antwort à la „Strompreisbremse“ zufrieden zu geben.

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2 Kommentare zu Ökostrom und Energiewende: Die Sonne schickt doch eine Rechnung

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