Staat kassiert erstmals über die Hälfte des Strompreises

Es ist Wahlkampf, da darf versprochen werden. Da hat selbst die tot geglaubte Strompreisbremse noch eine Chance als Wiedergänger – gleich nach der Bundestagswahl, versteht sich. Nur wer was leistet (Kreuzchen an der richtigen Stelle), bekommt die Belohnung (mehr Rente, höheres Kindergeld, neue Straßen, weniger Steuerlast – und stabile Strompreise). Das hat die Kanzlerin beim Tag der deutschen Industrie versprochen – dazu passt die Nachricht, dass der Staatsanteil am Strompreis für Privatleute zum ersten Mal über 50 Prozent liegt.

Auf sage und schreibe 31,6 Milliarden Euro summieren sich die Steuern und Abgaben auf die Strompreise in diesem Jahr, rechnet der Branchenverband für die Energie- und Wasserwirtschaft BDEW hoch. Und da ist die Mehrwertsteuer nicht mal drin (allein 2011 zahlten die Stromkunden mehr als sieben Milliarden Euro).

Der dickste Batzen dieser staatlich auferlegten Last ist die Umlage für Erneuerbare Energien (EEG – also die Differenz zwischen dem garantierten Einspeisepreis für Strom aus Wind, Photovoltaik, Biomasse, … und dem Preis an der Strombörse). Die EEG-Kosten belasten den Strompreis mit insgesamt 20,36 Milliarden Euro (im vergangenen Jahr: 14,11 Milliarden). Die Stromsteuer ist im dritten Jahr in Folge recht stabil bei sieben Milliarden. Neu aufgetaucht und mit gut 800 Millionen noch eher bescheiden: die Offshore-Haftungsumlage.

Den größten Anteil an der EEG-Umlage zahlen übrigens die privaten Haushalte: 7,2 Milliarden Euro, gefolgt von der Industrie (6,1 Milliarden) sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (4 Milliarden).

Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt, der im Jahr 3500 Kilowattstunden Strom verbraucht, zahlt dafür in diesem Jahr knapp 84 Euro im Monat – das sind 68 Prozent mehr als 1998, sagt der BDEW. An den Staat gehen davon gut 42 Euro – das sind 243 Prozent mehr als 1998. Der Anteil für Stromerzeugung, Stromtransport und Vertrieb stieg im selben Zeitraum um 11 Prozent.

Das schreit nach einer sinnvollen Neufassung des EEG – was sich als „Strompreisbremse“ deutlich schlichter anhört. Aber es ist ja Wahlkampf.

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