Fracking: Lasst das Erdgas im Schiefer. Als Erbe.

Macht Euch die Erde untertan (Genesis 1, 28)

Es ist bezeichnend, dass wir Jahrtausende nach diesem biblischen Auftrag immer noch darüber streiten, wie er gemeint war. „Macht Euch die Erde untertan“, ist das ein Aufruf zur Selbstbedienung oder die Übergabe eines wertvollen Gutes zur Hege und Pflege? Das Ergebnis der Gewissensprüfung ist leider immer abhängig von der aktuellen Lage des Prüfenden. Deshalb war es meist eindeutig: Ausbeutung. Wir Europäer können uns die „Hege und Pflege“-Variante momentan gut leisten, weil andere für uns die Ausbeuterrolle übernehmen. Das Florians-Prinzip schont unser Gewissen – aber nicht den Planeten. Das ist aktuell zu besichtigen beim Streit um das so genannte Fracking, mit dem der Erde bislang wohl verwahrte Gasreserven entrissen werden. Wohlstand und Ressourcenverbrauch waren schon immer eng miteinander verbunden. Nicht nur die Sonne „schickt keine Rechnung“, auch Ölquellen, Erz- und Kohlegruben werden in gewaltigem Maßstab geleert, ohne dass die Natur zur Kasse bittet. Aber die Vorräte schwinden, die Preise steigen. Deshalb werden heute Lagerstätten interessant, die noch vor wenigen Jahren als nicht nutzbar galten – etwa tief unter der Meeresoberfläche oder im Eis der Arktis – oder Vorkommen, die ihre Schätze nur mit Gewaltanwendung freigeben – wie das Schiefergas. Welch ein Glück, dass Europa davon fast nur die angenehmen Auswirkungen mitbekommt. Während anderswo ganze Landschaften abgetragen werden auf der Jagd nach Bodenschätzen, die Ölbohrer immer tiefer in fremde Ozeane vordringen, südamerikanisches Weideland umgepflügt und Regenwald gerodet wird, um Kraftfutter für unser Mastvieh und Biosprit für unsere SUVs zu erzeugen, dürfen wir uns aufregen über Windräder und neue Stromleitungen. Sollen sich doch andere darum kümmern, dass trotz schwindender Ressourcen genügend Strom erzeugt und Benzin raffiniert wird. Und Gas herbei kommt. Gas. Das Floriansprinzip ist momentan besonders gut beim Thema Fracking zu besichtigen. Wegen eventueller Umweltschäden (wie immer gibt es Gutachten, die dies sowohl stützen als auch widerlegen) soll die Förderung von Schiefergas in Deutschland verboten werden. Dass die Amerikaner dank dieser Technik für Erdgas nur noch ein Drittel des deutschen Preises bezahlen und unter anderem deshalb wieder an die Spitze der wettbewerbsfähigsten Nationen gerückt sind, – was soll’s. Dass es keine große technische Anwendung ohne Risiko gibt, – naja, aber bitte nicht bei uns. Solche Diskussionen werden mehr und mehr mit dem Bauch, mit Emotionen geführt als mit Hirn. Die einen tun so, als sei das Ende der deutschen Exportstärke gekommen, wenn kein billiges Schiefergas gefördert und die Abhängigkeit von Russland beendet wird. Die anderen sehen das deutsche Wasser als Ganzes in Gefahr – und vor allem: das deutsche Bier. Außerdem zweifeln sie an der Größe der Vorkommen – protestieren aber sicherheitshalber gegen Probebohrungen. Und mittendrin die Politiker, die sich von Meinungsforschern sagen lassen, auf welche Seite man sich am besten schlägt, um die nächsten Wahlen zu gewinnen. Dabei geht es doch nur um eines: Können wir es uns heute leisten, diesen wertvollen Rohstoff in der Erde zu lassen? Diese Frage dürfen wir guten Mutes mit JA beantworten. Können und müssen! Unsere Wirtschaft steht im globalen Wettbewerb auch ohne Fracking gut da. Die Abhängigkeit von den undemokratischen Russen verursacht Bauchweh, ist aber kein Wettbewerbsnachteil (vor allem, weil andere Erdgaslieferanten auf der Matte stehen, die in den USA nicht mehr zum Zuge kommen – auf Jahrzehnte geplant rechnet sich dann sogar die Einrichtung von Flüssiggas-Transportwegen). Aber es gibt noch einen viel wichtigeren Grund, die Finger vom Schiefergas zu lassen: Wenigstens diesen Vorrat sollten wir unseren Nachfahren unangetastet hinterlassen, nachdem wie ansonsten gähnende Leere vererben. Und wenn nachfolgende Ingenieursgenerationen bessere Wege finden, Schiefergas zu fördern – umso besser.

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