Für den Bau von Kraftwerken fehlt ein verlässlicher Rahmen

Nur mit Windrädern und Photovoltaik ist die Stromversorgung vorerst nicht zu sichern. Aber den Kraftwerksbauern fehlen Anreize und Sicherheit für die Millardeninvestitionen.

Es hakt beim Bau neuer Kraftwerke in Deutschland – zu dieser Einschätzung kommt der Branchenverband BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft). In der Tat ist nur jede dritte der 76 neuen Anlagen auf der Projekteliste (mindestens 20 Megawatt) bereits im Probebetrieb oder im Bau. Bei einem weiteren Drittel verkneifen sich die Bauherren sicherheitshalber sogar Angaben zum Termin der Inbetriebnahme. Für den BDEW steht fest: Die Energiepolitik vermittelt nicht die nötige Sicherheit, um in neue Kraftwerke zu investieren. Die Folge: Mittelfristig fehlen Kraftwerke in Deutschland. Und das, obwohl jede Menge Strom ins Ausland verkauft wird. Natürlich gehört das Jammern zum Handwerk eines Branchenverbandes – aber die Situation ist in der Tat zumindest kompliziert.

Die Samen der Energiewende treiben bisweilen seltsame Blüten. Zum einen düngen Fördermilliarden (in erster Linie aus dem EEG – über den Strompreis werden so 18 Milliarden Euro pro Jahr eingenommen und verteilt – in den nächsten Jahren auf deutlich über 20 Milliarden steigend) die Erneuerbaren Energien. Deren Strom (überwiegend Wind und Sonne) gelangt wetterwendisch ungeplant ins Netz – ein Vorgang, den die an exakte Mengenprognosen gewöhnten Versorgungsunternehmen überhaupt nicht mögen. Zum anderen werden auch bei bester Verteilung und neuen Netzen (deren Kosten auch in den Strompreis münden) sowohl konventionelle Kraftwerke als auch Stromspeicher benötigt.

Weil es diese Speicher nicht gibt, muss überschüssiger (Öko-)Strom ins Ausland verkauft oder verschenkt werden, um das Netz zu entlasten. Gleichzeitig werden die konventionellen Kraftwerke immer seltener benötigt, weil die Masse der Windräder quer durch die Republik viele regionale Flauten ausgleicht. Das Problem: Die Kohle- und Gaskraftwerke müssen trotzdem verfügbar sein, um Stromausfälle völlig zu vermeiden. Als Feuerwehr quasi. Aber die Feuerwehr muss auch bezahlt werden, wenn es wochenlang nicht brennt – die Vergütung für die Kraftwerksfeuerwehr ist immer noch unklar.

Zudem gerät der Strompreis (der an der Börse, nicht der für die Endkunden) erheblich unter Druck. Weil gleichzeitig die Preise für die Emission von Klimagift in den Keller subventioniert wurden, lohnen sich heute schon die sauberen neuen Gaskraftwerke nicht mehr – und selbst die Betreiber der Steinkohle-Meiler sehen schwarz. Es lebe der Ober-Klimaschädling Braunkohle.

Den Weg aus diesem Energiewende-Mix hat die Politik noch nicht definiert – sie beschränkt sich bis zur Bundestagswahl auf die beliebte Energiepreisbremse, die das Chaos mehrt. Wer also heute Kraftwerke plant, muss mit mehr Variablen kalkulieren als ein seriöser Betriebswirt verdauen kann. Wohl dem also, der zwar eine Genehmigung hat, aber noch nicht baut. Weil die Unsicherheit erst relativ frisch ist, Kraftwerksprojekte jedoch langfristig angelegt sind, gehen in diesem und dem kommenden Jahr trotzdem 27 große Anlagen in Betrieb – bis 2015 summiert sich die neue Kraftwerksleistung auf 16.000 Megawatt (etwa 4.500 Megawatt aus Offshore-Windanlagen, knapp 8.500 aus Steinkohle und 3.000 MW aus Gas). Das sollte genügen, um jene Anlagen zu ersetzen, die geplant vom Netz gehen. Aber es ist unklar, ob neben Atomkraftwerken und alten konventionellen Anlagen weitere Kraftwerke abgeschaltet werden, weil sich das Geschäft nicht mehr lohnt.

Außerdem sieht die Kraftwerksliste ab 2016 deutlich dünner aus: Von den 76 erfassten Projekten gehen 35 bis 2015 ans Netz und nur 19 verteilt über die Folgejahre bis 2020. Die Bauherren der restlichen 22 Anlagen wollen sich überhaupt nicht auf einen Betriebstermin festlegen.

Wie könnte die nötige Planungssicherheit aussehen? Von der aktuellen Bundesregierung wird da nichts mehr erwartet. Aber die nächste soll verbindlich sagen, wie ab 2020 der Energiemarkt aussieht – am besten nicht nur in Deutschland, sondern darüber hinaus.

Das würde sicher auch die Rheinland-Pfälzer erfreuen: Auf der BDEW-Liste stehen die Stadtwerke Mainz mit ihrem Pumpspeicherkraftwerk (2019 in Betrieb) und die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden mit der Planung eines Gaskraftwerks, aber ohne Angaben zur Inbetriebnahme.

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