Solarförderung: Eine Staats-Batterie für den Eigenbedarf

Solarstrom soll in Batterien gespeichert werden, um das Netz zu entlasten. Stattdessen ermuntert der Staat die Selbstversorgung.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass die Energiewende neben neuen Leitungen auch Speichersysteme braucht. Denn wenn der Wind wild weht und die Sonne kräftig scheint, ist das Stromnetz schnell überlastet. Dann muss der Strom irgendwie weg – manchmal: koste es, was es wolle. An etlichen Tagen verschenken die Netzbetreiber den Strom ins Ausland, und ab und an bezahlen sie sogar dafür, dass jemand  ihnen den Strom abnimmt, bevor das Netz unter der Last zusammenbricht (Österreich füllt seine Pumpspeicher dann dank Gratisstrom und verkauft den Strom aus den Pumpspeicherkraftwerken als Spitzenenergie teuer zurück, wenn Flaute herrscht). Da ist es doch allemal besser, die Energie im eigenen Land zu speichern. Leider kommt der Bund mit den Stromspeichern nicht schneller voran als mit den Nord-Süd-Trassen. Deshalb gibt es jetzt Akkus. Wer daheim Sonnenstrom erzeugt und eine Batterie als Speicher kauft, bekommt 2000 Euro vom Staat geschenkt. So lautet der Beschluss. Das soll ab Ostern losgehen. Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Aktion ein Osterei für die Solarbranche ist und nicht dazu beiträgt, die Netzprobleme zu lösen.

Ach ja: Bundestagswahl ist ja auch noch. Obwohl die gesamte Summe für die Batterie-Aktion mit  „mindestens“ 50 Millionen Euro (Umweltminister Peter Altmaier, CDU) nicht gerade üppig ausgestattet ist, kommen doch bis zu 25.000 Solaranlagenbetreiber in den Genuss eines Geschenks aus Berlin. Vielleicht sogar 50.000. Denn in den ersten Diskussionen über die Speicher wurde über 100 Millionen Euro geredet. Das wäre genug Geld, um 50.000 Bauern und Hausbesitzern nebst der darbenden Solarbranche eine Freude zu machen und sie daran zu erinnern, dass FDP und Union ihre Klientel nicht vergessen.

Wie müssten solche Speicher eingesetzt werden, damit sie der Energiewende helfen? Uns ist das klar: Wenn zu viel Strom da ist, wird gespeichert, wenn es windstill und dunkel ist, werden die Speicher ins Netz geleert. Nur dann können die herkömmlichen (Kohle-)Kraftwerke konstant laufen, und es müssen nicht ständig dreckige Uralt-Anlagen hochgefahren werden, um Lücken auszugleichen.

Es könnte aber völlig anders kommen. Wenn nicht der Netzbetreiber, sondern der Eigentümer darüber entscheidet, wann gespeichert und wann gespeist wird. Der Eigentümer wird seine Batterie laden, wenn er daheim wenig Strom braucht und den Speicher selbst anzapfen, wenn er Melkmaschine, Trockner, Sauna oder Herd anwirft – da ist ihm die Lage im Netz völlig schnuppe.

Das kann den Solarbauern keiner verübeln. Neuerdings bekommen Sie für die ins Netz eingespeiste Kilowattstunde weniger erstattet als sie für die Kilowattstunde bezahlen müssen, die sie aus dem Netz beziehen. Die Einspeisevergütung sinkt, der Strompreis steigt. Fazit: Jeder produziert für den Eigenbedarf, damit sich die Solarpaneele rechnen. Und da helfen die staatlich geförderten Batterien.

Der schöne Plan, mit dem Programm das Energiewende-Netz zu entlasten, funktioniert nur dann wunschgemäß, um Stromspitzen zu kappen und Täler zu füllen, wenn nicht der Besitzer über seine Batterien verfügt, sondern der Netzbetreiber. Was aber das neue Geschäftsmodell stört und deshalb leicht nachvollziehbar die Investitionsfreude trübt. So eine Batterie kostet immerhin deutlich mehr als 10.000 Euro – da bleibt nach Abzug des Ostereis von 2000 Euro noch ein stattlicher Eigenanteil übrig. Der muss sich ja irgendwie rechnen.

Aber wer macht sich schon solch komplizierte Gedanken? Es geht doch viel schlichter: Der Batteriebonus ist kein Problemlöser, sonder nur ein Osterei als Wahlgeschenk für Selbstversorger. Er passt sich nahtlos an die übrigen Geschenke zur Energiewende an: Sie sind politisch und nicht sachlich motiviert, gut gemeint, aber schlecht gemacht; sie sind am Ende eher schädlich als hilfreich und man wird sie nicht mehr los.

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