Doha – hier wird nach dem Handel auch das Klima scheitern

Ökostrom ist auf dem Vormarsch - und dennoch steigt die CO2-Belastung unserer Atmosphäre rasant an.

Doha ist die Hauptstadt von Katar am Persischen Golf, sie hat 500.000 Einwohner, und ihr Name ist verbunden mit dem Scheitern eines großen Vorhabens: Die Doha-Runde, 2001 in eben jener Stadt ins Leben gerufen, soll den Welthandel beflügeln und vor allem den Entwicklungsländern mehr Einfluss und bessere Handelsbedingungen verschaffen. Aber eine Konferenz nach der anderen platzte. Bis heute. Jetzt findet wieder eine Mammutversammlung in Doha statt, und sie ist ebenfalls zum Scheitern verurteilt: Die Weltklimakonferenz.

Wie sich die Konferenzen gleichen: Auch die Doha-Runde der Welthandelsorganisation (WTO) ringt um eine globale Lösung; es geht in erster Linie darum, den Ärmsten einen größeren Anteil am Handelskuchen zu überlassen (etwa im Agrarbereich). Außerdem soll deren Stimme mehr Gewicht bekommen. Aber die Dominanz der alten (man muss schon fast sagen: ehemaligen) Industrienationen und Schwellenländer ist ungebrochen.

Auch die Klimakonferenzen scheitern unter dem Druck der Großen. Vor allem die USA – und daran ändert auch der Wahlsieg Obamas nichts – und China werden ambitionierte Klimaziele verhindern. Und die Europäer, noch vor wenigen Jahren unter Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Spitze der Bewegung, haben andere Sorgen. So lange es die Kanzlerin nicht mal schafft, die viel gepriesene Energiewende so zu gestalten, dass die damit verbundenen höheren Preise akzeptiert werden, ist auch von Deutschland außer leeren Phrasen wenig zu erwarten.

Und das ausgerechnet in einer Zeit, die bereits vom Klimawandel geprägt wird durch Missernten, Trockenheit, Wirbelstürme, Eisschmelze in der Arktis.

Seit 1992 schon gibt es die gewaltigen Klimakonferenzen. Bislang ohne spürbare Wirkung. Der Ausstoß des Klima-Killers CO2 ist um die Hälfte gestiegen auf 33 Milliarden Tonnen pro Jahr. Über Themen wie klimafreundlichere Ernährung (= weniger Fleisch und Milchprodukte) wird erst gar nicht diskutiert. Fast panisch (es geht um Fördermittel, Reisen, Spesen, Stellen) verfallen die wissenschaftlichen Profiteure des Klimawandels erneut in den alten, nicht bewährten Alarmismus-Modus. Aber in Zeiten der Krise und knapper Kassen verschafft ihnen auch das kein Gehör. Kennt man ja schon. Und wer legt die Hand dafür ins Feuer, dass bis zu einer Erwärmung von zwei Grad alles OK ist, aber bei 2,1 die Welt untergeht?

Doha erlebt also das Scheitern einer weiteren Konferenz, ungenügend verpackt in vage Absichtserklärungen und verlogene Hilfszusagen für die Dritte Welt. Denn wie das Desaster der Doha-Runde des Welthandels trifft auch das Versagen der Riesenrunden für das Weltklima die Ärmsten zuerst.

Die Hoffnung, dass es globale Lösungen gibt, schwindet. Im Welthandel haben sich längst regionale, häufig bilaterale Bündnisse etabliert – schon bestimmen sie etwa die Hälfte des weltweiten Warenaustauschs. Was im Handel problematisch ist, weil es die Schwachen schwächt, kann für das Klima die einzige Rettung sein: Alleingänge. Alleingänge von Nationen wie Deutschland, die auf die wirtschaftlichen Vorteile der Abkehr von fossilen Energieträgern setzen und mit grüner Wirtschaft punkten wollen. Aber auch Alleingänge jedes einzelnen Verbrauchers, der keine Abwrackprämie für Kühlschränke braucht, um sich sparsame Haushaltsgeräte und ein weniger durstiges Auto zu kaufen.

Leider hören Einsicht und Vernunft da auf, wo der Geldbeutel strapaziert wird. Am Ende bleibt die kölsche Hoffnung, dass es nicht so schlimm kommt, wie die Klimaforscher fast unisono befürchten (et het noch emmer jot jegange). Oder dass es wenigstens FÜR UNS nicht so schlimm kommt. Wie traurig.

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