Euro-Krise und Biosprit: Geld allein löst keine Probleme

Mais wächst ins Geld, die Biostrom-Branche schießt ins Kraut, gut gedüngt mit Fördergeld. Probleme löst das nicht. Im Gegenteil.

So richtig spannend ist es ja nicht mehr, über Griechenland und den ganzen Rest der Euro-Krise zu schreiben. Alles dreht sich im Kreis: Wegen der Sparprogramme schrumpft die Wirtschaft, es wird weniger privatisiert als geplant, es fließen weniger Steuern in die Kassen, also wird das Finanzloch größer. Gerade reden wir für Athen über einen Zusatzbedarf von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. Ein Klacks, gemessen an den bisherigen beiden Hilfspaketen von jeweils gut 100 Milliarden Euro. Aber schon wird in Berlin die Phrasendreschmaschine in Gang gesetzt: Es gibt kein weiteres Hilfspaket, sagen die Regierungsfraktionen, sagt der Finanzminister. Aber auch: Der Euro darf nicht scheitern. Also wird ein neues Hintertürchen gefunden für die zusätzlichen Milliarden. Tippen wir mal darauf, dass der griechische Regierungschef am kommenden Freitag in Berlin ein neues, jetzt aber „garantiert wirksames“ Sparprogramm präsentiert und damit alle überzeugt. Nicht, weil wir den Griechen jetzt glauben dürfen, sondern weil alle glauben wollen, dass es mit diesen Hilfsmilliarden mal wirklich besser wird. Und dass man diesen Anschein aufrecht erhalten kann bis nach der Bundestagswahl. Das Geld kauft keine Lösung, sondern Zeit. Und den Anschein von Tatkraft und Führungsqualität.

Die Lage in Griechenland (und Spanien und Italien …) wird auf diesem Weg aber nicht verbessert. Und mehr Geld alleine löst die Probleme nicht. Mit Geld kann man sich aber von Problemen freikaufen, weil dann ein anderer diese Probleme hat. Meist die Steuerzahler. Die sind in Sachen Probleme die letzte Instanz.

Würde Geld Probleme lösen, alles wäre gut. Denn es gibt bereits mehr Geld in der Welt als nötig ist. Viel mehr. Etwa ein Zwanzigstel davon würde genügen, um alle Waren und Dienstleistungen zu bezahlen. Der Rest ist zum Zocken da. Deshalb wird spekuliert. Weil die Investoren nicht mehr wissen, wohin mit den Milliarden. Sie parken gewaltige Summen in deutschen Staatsanleihen, obwohl es darauf keine Zinsen gibt. Manchmal sogar Verluste. Aber immer: Sicherheit. Sie spekulieren auf steigende Nahrungsmittelpreise wie nie zuvor. Oder sie stopfen Milliarden in Unternehmen ohne stabile Geschäftsgrundlage (Zynga, Groupon, Facebook) und hoffen – meist vergebens –, dass die wirklich zündende Idee bald präsentiert wird.

Ihr Geld ist nicht verloren. Es wechselt nur den Besitzer. Die Facebook-Aktie meldet seit Wochen ständig neue Tiefs; Facebook-Experten der ersten Stunde schlagen ihre Anteile los an jene, die einen Kurs von 50 Prozent des Ausgabepreises als Schnäppchen betrachten. Die einen scheinen zu wissen, dass es keine zündende Idee mehr gibt, die anderen haben immer noch Hoffnung. Sie sollten sich so langsam auf schlechte Nachrichten vorbereiten.

Geld löst tatsächlich keine Probleme. Sonst wäre nicht nur Facebook super profitabel, sondern auch die Energiewende längst gelungen. An der Menge der Fördermittel jedenfalls kann es nicht liegen. Stabil ist das neue System der Erneuerbaren Energien aber leider nur, so lange die Milliarden fließen – vom Stromverbraucher (naja: bis auf die großen, energieintensiven Firmen, diese Armen sind ja von der Abgabenlast befreit) zum Erzeuger. Sobald sich die Preise für Strom aus Sonne und Mais ein bisschen mehr am Markt orientieren sollen, bricht alles zusammen. Zum Beispiel die Solarbranche, die sich im Förderparadies vom Wettbewerb verabschiedet hatte – und jetzt ihrem Ende entgegen jammert, weil die Förderbeträge für Neuanlagen sinken, die deutschen Produkte nicht mehr marktfähig sind und die Chinesen sich auf Forschung konzentriert haben, statt auf Lobby-Arbeit.

Diesem Schicksal wollen die Bauern und Bio-Energie-Produzenten – die ebenfalls dabei sind, sich in einem Förderparadies einzurichten – entgehen und wehren sich heftig gegen die Angriffe auf den Unsinn, Essen in den Tank zu transferieren. Gutachten der Bundesregierung sagen eindeutig: Energiepflanzen schützen die Umwelt nicht (Dünger, Pestizide, Artensterben, hoher Transportaufwand) und verteuern (und verknappen) Lebensmittel. Die sachlich logische Entscheidung wäre: Die Förderung für Neuanlagen stoppen (die für Altanlagen darf ohnehin noch viele Jahre Schaden anrichten). Geschieht aber nicht.

Die Milliarden, die da ausgeschüttet werden, helfen nämlich nicht nur den Bauern. Auch der Politik. Sie kaufen Wählerstimmen, und sie helfen, dass sich die fadenscheinigen Pläne einer grünen Zukunft nicht komplett in Luft auflösen. Womit ich am Ende doch einräumen muss, dass Geld manchmal Probleme löst. Die Milliarden für Biosprit lösen zwar kein Umwelt- oder Versorgungsproblem, aber ein Imageproblem der Regierenden – wenn auch zu Lasten anderer. Da bin ich aber echt erleichtert.

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