Fußball und Euro-Krise lenken vom Rio-Gipfel ab. Zum Glück.

Wohlstand gerecht verteilen - das ist eine der Kernaufgaben der Weltpolitik und solcher Gipfel wie "Rio plus 20". Die aufstrebenden Schwellenländer (Foto: Slum in Mumbai/Indien) hungern nach Rohstoffen und einem besseren Leben.

Wenn doch nur alles so klar wäre wie die Regeln der Fußball-EM: Die Griechen gewinnen glücklich gegen die Russen – also bleiben sie drin. Aber wie ist das mit dem Euro? Je nachdem, wer die Wahl gewinnt, bleiben die Griechen drin oder fliegen raus. Oder beugen sich auch die Linken dem Spardiktat? Oder bemühen sich auch die Rechten, die Lasten loszuwerden und stellen die Sparauflagen in Frage? Was bleibt, sind: Unsicherheit, politisches Taktieren, Krisenmanagement. Was fehlt: Klarheit und die Einbindung der Wähler/Steuerzahler.

Eine Prognose – vor dem Schließen der Wahllokale: Egal, wer gewinnt (oder ob es wieder ein Patt gibt) – die Griechen werden neu über die Auflagen verhandeln und „fördern statt fordern“ predigen. Daran führt kein Weg vorbei. Das ändert aber nichts daran, dass sie nach wie vor viel mehr Geld ausgeben als verdienen. Die Anpassung wird Wohlstand kosten müssen – und entweder über das Sparkdiktat vollzogen so weit es geht (und Athen zusätzlich von Dauerhilfe abhängig machen) oder über den Austritt aus der Eurozone.

Im ersten Fall bleiben die Griechen am Tropf Deutschlands (das selbst zahlungsunfähig wird, wenn neben den Griechen auch noch die Spanier und Italiener und Portugiesen und und und Hilfe brauchen). Im zweiten Fall kostet der Austritt unglaublich viel Geld, wird der Rest der EU massiv helfen müssen – aber nach wenigen Jahren wird Griechenland auf Wachstumskurs gehen. Das wäre also die bessere Wahl – vor allem, weil die erste (Nicht-)Lösung verbunden werden soll mit einer ad hoc per heißer Nadel gestrickten Europa-Regierung, die irgendwie immer dann das Sagen hat, wenn Staaten ihre Haushalte nicht im Griff haben. Aber wer wählt diese Super-Menschen? Wer beaufsichtigt sie und zieht sie zur Rechenschaft?

Die Europa-Meisterschaft und die Europa-Krise verstellen den Blick auf ein anderes großes Ereignis: den Umweltgipfel in Rio. Fast bin ich geneigt zu sagen: zum Glück. 20 Jahre nach dem Aufbruch-Gipfel in Rio, der weltweit gewirkt und die Hoffnung verbreitet hat, die Menschen mit der Natur, Wachstum mit Umweltschutz, Dritte und Erste Welt miteinander zu versöhnen, wird auch „Rio plus 20“ einer der Mammutgipfel sein, die wenig Greifbares verabschieden und allenfalls Ausreden dafür produzieren, dass viel zu wenig geschieht, um die endlichen Ressourcen unseres Planeten zu schonen und gerechter zu verteilen.

So widersinnig das klingen mag: Diskussionen über Umweltschutz und Gerechtigkeit werden besonders gerne geführt, wenn keine anderen Probleme das Tagesgeschäft überstrahlen. Das war vor 20 Jahren so, als zum Ende des Kalten Krieges alles möglich schien: eine neue Weltordnung und Wohlstand für alle. Diese Aufbruchstimmung ist vorbei, in Krisenzeiten denkt wieder jeder an sich selbst zuerst und die Fähigkeit zur Aufnahme schlechter Nachrichten ist ausgereizt. Umwelt schützen? Ressourcen schonen? Wohlstand gerecht verteilen? Im Gegenteil: In Krisen gelten, um den Kreis zu schließen, ähnliche Regeln wie bei der Fußball-EM – keine Gnade, denn „the winner takes it all“.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Ökonologie abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.