E-Autos: Die Zukunft in der Nische

Die Kleinen polieren das Image, die Großen füllen die Kasse - Mercedes präsentiert sich auf der IAA dreistöckig.

Die Kleinen polieren das Image, die Großen füllen die Kasse - Mercedes präsentiert sich auf der IAA dreistöckig.

Wer Messen besucht, blickt immer ein bisschen in die Zukunft. Auch wenn viele „Studien“ bald wieder in der Versenkung verschwinden: In der Regel sind die Messeneuheiten in der Wirklichkeit geerdet. Deshalb werden viele Multimedia-Stars der Berliner Funkausstellung schon kurz später im Elektronikmarkt angeboten. Aber was an Top-Nachrichten von der IAA ins reale Leben dringt, hat mit der Wirklichkeit erschreckend wenig zu tun. Und wahrscheinlich auch wenig mit der Zukunft.

Die große Überschrift dieser Autoschau von Weltformat heißt: sparsam und elektrisch. Da tauschen kräftige Konzernlenker ihren gewohnten Sessel hinter dem Chauffeur mit dem Fahrersitzchen hinterm Lenkrad eines Kompaktautos – zum Wohle der Umwelt. Oder besser gesagt: Zum Wohle des grünen und fortschrittlichen Anstrichs ihres Unternehmens.

Wer heute keine Batterie-Stadtflitzer anbieten kann oder zumindest Elektro-Hoffnungen für die nächsten zwei Jahre schürt, gilt als altmodisch. Trotzdem werden die sauberen Wägelchen nur selten gekauft. Momentan scheint die komplette Produktion von E-Autos in den Fuhrparks von Energieversorgungsunternehmen, Bio-Betrieben, Umweltministerien, Windrad-Firmen und Werbeagenturen zu landen. Alle anderen freuen sich herzlich über die Elektro-Offensive – aber sie fahren Diesel und Benziner.

Was nicht unbedingt umweltfrevlerisch ist. Immerhin haben die Hersteller herkömmlicher Motoren ihren Produkten den großen Durst abgewöhnt, während die Batterien der Elektroautos heutzutage überwiegend mit Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken aufgeladen werden. Experten rechnen vor, dass sparsame Diesel sauberer sind als gleich kleine E-Pkw. Zudem sind die Mitglieder der modernen Spritsparfraktion viel billiger und fahren viel weiter.

Mit Reichweiten um die 100 Kilometer bei bestem Wetter (und deutlich weniger bei Dunkelheit und Frost) ist der Stromer-Einsatz zunächst auf Metropolen und Nahverkehr begrenzt. Es sei denn, man findet eine clevere Kombi-Lösung wie Opel, wo im Ampera ein Benzinmotor als Ladegerät anspringt – oder bei klassisch(-japanischen) Hybrid-Modellen, bei denen ein normaler Motor für Vortrieb sorgt, wenn die Batterien ihren Saft gegeben haben.

Egal, welche Variante: Was die renommierten Hersteller in Sachen Volt anbieten, hat einen stolzen Preis – weil die Batterien so teuer sind und die Konstruktion Mehraufwand erfordert. Und die ganze Aufregung (= der Hype) nach Gewinn schmeckt, weil die ersten Käufer auch ohne Rabatte zugreifen. Warum sonst mutet Opel seinen Ampera-Händlern angeblich beachtliche Einstiegskosten für die Einrichtung der Verkaufsflächen zu und kappt gleichzeitig die Marge auf ein Minimum?

Wenn die Batterien in größeren Stückzahlen hergestellt werden, die Konkurrenz wächst und der Trubel nachgelassen hat, werden sich die Preise normalisieren. Zudem ruhen die Hoffnungen mal wieder auf Vater Staat und seiner offenkundig unerschöpflichen Subventions-Kasse, damit sich die Schere zwischen Wunschdenken, Vision und Realität in der E-Mobilität ein wenig schließt. Das könnte ein KurzTrugschluss sein.

Denn wer die Elektro-Show in Frankfurt hinter sich lässt und e-trunken auf die A3 zurückkehrt, hat e-nüchtert den weiten Weg vom Image-Geklapper zur Wirklichkeit vor Augen. Auf Deutschlands Straßen sind mehr als 42.000.000 Autos unterwegs. Davon mit Elektroantrieb: 2300. Während die im Herzen umweltfreundlichen Deutschen die grünen Kleinwagen höflich bestaunen, kaufen sie immer stärkere PS-Protze. Vor zwei Jahren hatten die Pkw im Durchschnitt noch 117 PS, heute bringen sie bereits 134 auf den Asphalt.

Die elektrische Revolution der Autowelt wird noch einige Automobilausstellungen lang übewiegend in Messehallen und Hochglanzprospekten stattfinden. Die elektrische Revolution des Nahverkehrs gibt es aber schon. Ohne staatliche Förderung und IAA-Geklapper ist ein Fahrzeug zum Verkaufsschlager geworden, das sich bereits wie kein anderes mit Elektromotor im Stadtverkehr bewährt: das Fahrrad.

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