Die Retter der Welt suchen eine neue Rolle

Präsidenten unter sich: Obama und Medwedew beim G20-Gipfel. Wo sie wohl stehen, wenn die neue Ordnung für die Weltbühne fertig ist? Der Amerikaner hat in Seoul schon die erste Lektion lernen müssen.

Präsidenten unter sich: Obama und Medwedew beim G20-Gipfel. Wo sie wohl stehen, wenn die neue Ordnung für die Weltbühne fertig ist? Der Amerikaner hat in Seoul schon die erste Lektion lernen müssen.

Sie haben die Welt gerettet. Und jetzt? Jetzt sind die Gipfelstürmer von G20 bescheiden geworden. Keine Sensationen in Seoul. Naja: Wenigstens müssen die Banken in aller Welt jetzt mehr eigenes Geld riskieren, wenn sie zocken wollen. Und im Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfen die aufstrebenden Nationen mehr mitreden. Das war’s. Ansonsten wurde Streit vermieden, der unvermeidbar schien: Streit zwischen den USA auf der einen, China und Deutschland auf der anderen Seite. Was beachtlich ist. Weil die USA verloren haben.

Insofern hat die Runde die Welt reicher gemacht. Reicher an Erkenntnissen. Wichtigste Erkenntnis: Nicht mehr alle springen, wenn der Gigant USA pfeift. Der innenpolitisch angeschlagene US-Präsident konnte sich nicht gegen Deutschland und China durchsetzen, deren Export-Maschinen er gerne per Verordnung drosseln möchte. Fehlanzeige. Die Chinesen spielen aus, dass die Amerikaner auf ihren guten Willen und ihre Kredite angewiesen sind. Und die Bundeskanzlerin schaffte es, das neue Ansehen Deutschlands als Konjunktur-Lokomotive in politische Zugkraft umzumünzen.

Die Deutschen gehören (noch) zu den Gewinnern einer neuen Weltordnung, die in Seoul auch vor den Kulissen sichtbar wurde. Runden wie die einst so stolze G7 haben seit der Finanzkrise ausgedient. Die war nur durch ein beherztes Aufstocken zu G20 erfolgreich zu bekämpfen. Unter dem Druck der drohenden Katastrophe rückten die Nationen zusammen zu größter Einigkeit. Und großer Einsicht/Entschlossenheit/Tatkraft. Gemeinsam durchlebten diese Nationen die Angst vor dem Abgrund, gemeinsam schafften sie die Wende. Eine neue Weltwirtschaftsregierung schien geboren.

Schien. Denn noch sind die Wehen nicht vorbei. Der Druck der Krise hat kaum nachgelassen, schon bahnen sich die nationalen Egoismen wieder ihren Weg auf die politische Agenda. Heutzutage bringt sie kein Machtwort aus Washington zum Schweigen. Differenzen bleiben auf der Agenda, und bis die G20 ihre neue Rolle ausfüllen, müssen vor allem die USA noch viele Kröten schlucken.

Aber dann können die gewaltigen Aufgaben erfolgreich erledigt werden (Ob schon der nächste G20-Chef Sarkozy das dazu nötige Herkules-Format hat, ist zu bezweifeln.): Noch härtere Regeln für die Finanzmärkte. Schluss mit den Währungsmanipulationen. Her mit einem neuen Weltwährungssystem, das die Leitwährung Dollar ersetzt durch eine stabiles System der wichtigsten Währungen. Beherzte Fortentwicklung des Welthandels zu noch mehr Offenheit statt neuer Barrieren – und einer fairen Einbindung statt Ausbeutung der Entwicklungsländer.

Ach ja. Da sind noch Kleinigkeiten zu regeln wie der Kampf gegen den Klimawandel. Und die dramatisch schnelle Überalterung nicht nur der großen Wirtschaftsnationen. Und der Verteilungskampf um schrumpfende Rohstoff-Vorräte und Ackerland.

Das ist eine Menge Arbeit – selbst für 20 (ge)wichtige Nationen. Die müssen aber erst mal ein neues Stück entwickeln für die Weltbühne – und nicht jedem wird die Rolle auf den Leib geschrieben. Streit wie vor Seoul ist auf Dauer programmiert, bis jeder seine Position gefunden hat. Der Gipfel hat inhaltlich nur Bescheidenes geleistet. Aber beim Stückeschreiben sind die Nationen schon ein gehöriges Stück weiter gekommen.

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