GM muss Opel alleine wieder flott machen

Der moralische Druck wächst: Die Opelaner verzichten auf Gehalt, Milliarden werden zur Rettung des Euro eingesetzt - jetzt will GM für Opel ebenfalls Steuergeld. Die Politik sollte trotz des Drucks ablehnen.

Der moralische Druck wächst: Die Opelaner verzichten auf Gehalt, Milliarden werden zur Rettung des Euro eingesetzt - jetzt will GM für Opel ebenfalls Steuergeld. Die Politik sollte trotz des Drucks ablehnen.

Es gibt Themen, die auch in unserer schnelllebigen Zeit ein langes Leben haben. Opel gehört dazu. Um Autos geht es dabei eher nicht, sondern um Hilfsprogramme – was ganz sicher wenig hilfreich ist fürs Image und die Verkaufsbemühungen der Händler. Seit gut einem Jahr stellt sich die Frage, ob Steuermilliarden ausgegeben werden, um den Not leidenden Automobilhersteller zu retten. Die Frage ist geblieben, aber die Rahmenbedingungen haben sich inzwischen so geändert, dass die Antwort nur lauten kann: nein.

Was immer noch gilt: Opel ist eine alte deutsche Traditionsmarke, baut nach wie vor ordentliche Autos, schreibt aber enorme Verluste. Es gibt große Überkapazitäten, die abgebaut werden müssen – der Konzern selbst geht von 20 bis 30 Prozent aus. Momentan eher von 20 Prozent, weil sich das angenehmer anhört. Das hat mit dem nächsten Punkt zu tun, der unverändert ist: Es geht nicht nur um die Rettung von Opel, sondern auch um Politik, obwohl die bisherigen Kassenöffner Bundestagswahl und NRW aus dem Rennen sind.

Aber es gibt sechs Monate nach dem geplatzten Verkauf auch Neues: Die Wirtschaftskrise ist abgeklungen, jetzt leiden die Staaten unter einer Schuldenlast, die sie sich beim Öffnen immer neuer Rettungsschirme aufgebürdet haben. Die Unternehmen haben sich gefangen, die anderen deutschen Autobauer melden vorsichtig ein Ende der mageren Zeiten. Und auch bei der Nach-wie-vor-Mutter von Opel, GM, hat die Not aufgehört – dank 60 Milliarden Dollar aus der amerikanischen Staatskasse.

Die neu gewonnene Stärke der mächtigen Mutter wirkt sich aber noch nicht auf die deutsche Tochter aus. Die Prognose von zwei Millionen verkaufter Autos pro Jahr ist allerdings, sagen wir mal: sehr optimistisch (bei 1,5 Millionen dürften schon die Sektkorken knallen) – aber nicht einmal mit diesen Stückzahlen könnte Opel alleine überleben. Und Opel ist alleine. Noch lassen die Amerikaner ihre deutsche Niederlassung nicht auf spannende Wachstumsmärkte wie Asien. Und erst recht nicht auf den amerikanischen. Eine überzeugende Plattformstrategie wie jene, auf der VW seinen Erfolg mit Seat, Skoda und Audi baut, ist nicht in Sicht. All die Argumente gegen GM, die Bundesregierung und Opel-Betriebsrat, sogar der Opel-Europa-Chef vor dem Magna-Deal aufgezählt haben, gelten immer noch.

Ob Opel über den Preis punkten kann? Der Lohnverzicht der Opelaner im Verbund mit staatlichen Förderungen könnte helfen mit dem Ergebnis, dass jeder bei Opel künstlich gesicherte Arbeitsplatz einen Arbeitsplatz bei VW, BMW oder Ford kostet – der Markt in Deutschland wird ja nicht wachsen, nur weil Bund und Länder die Überkapazitäten von Opel beschützen.

Denn die bleiben bestehen – und addieren sich zu den Überkapazitäten, die weltweit ohnehin noch bestehen. Es muss also hart saniert werden. Dass GM momentan eher die sanfte Tour propagiert, liegt nicht an fehlender Einsicht in die Notwendigkeiten, sondern darin, dass nicht Experten zu überzeugen sind, sondern Wahlkreisabgeordnete. Wer quer durch Europa den Erhalt von Standorten verspricht, kann sich schon auf gutem Weg zu den Fördertöpfen fühlen. Vor allem, wenn aus diesen Töpfen gerade mal ein 150-Milliarden-Paket für die Euro-Süd-Länder gespeist worden ist – scheint ja noch genug Geld da zu sein. Ist es aber nicht. Und die EU-Hilfe ist eine völlig andere Baustelle.

Erstens braucht GM kein Staatsgeld, um Opel zu retten, sondern um möglichst preiswert eigenes unternehmerisches Risiko zu verringern und seinen Platzhalter in Europa zu halten. Und Opel erfüllt auch nicht die zweite Bedingung für den Zugriff auf den rettenden Deutschlandsfonds: Das Unternehmen ist nicht erst durch die aktuelle Krise in Not geraten. Opel war schon vor mehr als zwei Jahren angeschlagen und muss gründlich saniert werden: durch Stellen- und Standortabbau jenseits der sanften Tour und wahrscheinlich noch mehr Lohnverzicht als gerade vereinbart. Das ist Sache des Eigentümers. Kein Steuergeld an GM – was Berlin vor gut sechs Monaten verkündete, muss Bestand haben.

Und dann sollte sich Opel auf sein Kerngeschäft konzentrieren dürfen: zum Beispiel mit dringend benötigten Modellen wie einem Kleinwagen am unteren Ende der Modellpalette oder der Öffnung neuer Märkte, die momentan noch von den Amerikanern blockiert werden. Fördermittel aus der Staatskasse darf es nicht für politisch geschicktes Taktieren geben, sondern für die Hoffnung, dass ein Unternehmen wieder gesundet. Diese Hoffnung weckt GM für Opel bislang nicht.

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