Aufrappeln und aufpäppeln in der Talsohle

Plus 0,3 Prozent - der Trend zeigt nach oben. Aber die Wirtschaft braucht noch viel Zeit, bis sie wieder die Containerschiffe auslastet.Die deutsche Wirtschaft wächst wieder. Das ist eine richtig gute Nachricht. Zwar macht ein Quartalsplus von 0,3 Prozent noch keinen Aufschwung – allenfalls den Beginn des Aufrappelns nach dem Absturz. Aufpäppeln, aufrichten. Aber das Signal ist deutlich: Wir sind unten angekommen. Immerhin. Zu früh knallen die Sektkorken zum Ende der Krise – und oft prosten sich die Falschen zu. Auch wenn sich die Regierungsparteien im Wahlkampf heftig auf die Schultern klopfen: Die Lorbeeren für das frühe Ende des Abstiegs haben nicht nur sie verdient. Heftig dazu beigetragen haben die Verbraucher, die sich (auch dank spürbarer Lohnerhöhungen) die Kauflaune nicht vermiesen ließen. Mindestens den Wert der Konjunkturpakete haben auch die Ölscheichs und unsere Bauern beigesteuert; die gesunkenen Preise für Lebensmittel und Energie entlasten private wie öffentliche Haushalte und Unternehmen gleichermaßen um –zig Milliarden Euro. Ein herzliches Dankeschön gilt natürlich auch all jenen Staaten, die unglaubliche Summen in die Unternehmen ihres Landes gesteckt und sie dadurch in die Lage versetzt haben, die Auftragsbücher der deutschen Exporteure langsam wieder zu füllen. Wir danken den Unternehmern, die trotz der Flaute auf Entlassungen verzichtet haben, und ihren Mitarbeitern, die über Monate hinweg mit knappem Kurzarbeitergeld über die Runden kommen mussten. Obwohl die positive Entwicklung recht stabil zu sein scheint: Wir sind noch nicht annähernd überm Berg. Und es wird noch Jahre dauern, bis wir wieder auf dem Niveau angelangt sind, das unser Wohlstand vor der Pleite von Lehman hatte. Wie belastbar die Trendwende ist, zeigt sich, wenn im Winter die Kurzarbeitsverträge auslaufen. Nicht einmal eine kräftige Belebung wird es aushalten, wenn Steuern und Abgaben zu früh erhöht werden. Die neue Bundesregierung, die eine Schuldenlast historischen Ausmaßes erbt, darf trotzdem nicht zu schnell vom Füllhorn auf den Sparstrumpf umschalten. Stattdessen müssen die Regierenden und Kontrolleure weiter an den Hausaufgaben arbeiten, die sie vollmundig übernommen haben (und jetzt wahrscheinlich am liebsten vergessen würden): Spekulationsblasen verhindern, die Emission wertloser Wertpapiere verbieten, die Landesbanken zu einer einzigen Bank fusionieren, Nachhaltigkeit als Unternehmensziel fördern, die Eigentümer der Geldhäuser stärker am Risiko beteiligen – und nicht nur den Managern, sondern auch den Kleinanlegern deutlich machen, dass ungebremste Gier zu Totalverlust führen kann. Es wäre fatal, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft am Ende der Krise auf Auto-Pilot umschalten, als seien sie aus einem bösen Traum erwacht – und aufatmend zu den alten Gewohnheiten zurück kehren.

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