Alle reden von Bonus – nur Opel leidet

Kapstadt - auch am Tafelberg werden keine Opel aufgetischt. Das könnten die Rüsselsheimer verschmerzen, aber ihnen sind auch riesige Märkte wie China und Südamerika vom eigenen Mutterkonzern GM verboten worden.

Rechtzeitig vor den am 6. März beginnenden Tarifverhandlungen der Metallindustrie beziehen die Kontrahenten Position: Die Gewerkschaft Metall fordert 6,5 Prozent (u.a.), also das, was man landläufig als einen anständigen Schluck aus der Pulle bezeichnen darf. Und die Arbeitgeber geben sich geschockt. Auch die Autoindustrie stöhnt auf, dass so etwas völlig undenkbar sei in Zeiten globalen Wettbewerbs, jedenfalls nicht als langfristig belastend wirkende Lohnerhöhung – und kündigt gleichzeitig beachtliche Einmalzahlungen als Boni für alle Beschäftigten an, teilweise fünfstellige. Damit ist auch eine Botschaft verbunden: Wir wollen dauerhaft Lohnzurückhaltung, aber wir teilen die Gewinne großzügig. So gut geht es den deutschen Autoherstellern, dass sie mit vollen Händen verschenken können. Der ganzen Branche? Nein. Ein kleines gallisches Dorf namens Rüsselsheim leistet Widerstand gegen den Geldsegen: Opel schreibt weiter Verluste. Und das nach eigener Meinung weitgehend unschuldig. Der Beweis der Opelaner-Theorie wäre hier in Südafrika zu besichtigen – auch wenn es nicht nötig ist, für diese Erkenntnis extra ans Kap zu reisen (zudem haben reisende Betriebsräte in der Autoindustrie nur geringe Sympathiewerte). Man sieht hier Volkswagen, Mercedes, BMW, Audi und Porsche. Aber keinen Opel. Naja: fast keinen. Im Parkhaus stand ein gut erhaltener Ascona. Aber der zählt nicht.

Die Mama von Opel meldet jedenfalls tolle Zahlen aus Detroit. Nachdem General Motors (GM) vom Staat gerettet worden ist, hat sich der Konzern rasch berappelt und steht nach einer Abmagerungskur wieder fett da – mit einem Gewinn von 7,6 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten – der GM-Schatten ist Opel. Gemeinsam mit der Schwester Vauxhall hat Opel im vergangenen Jahr nicht – wie nach der Sanierung geplant – einen operativen Gewinn geschrieben, sondern einen dicken Verlust: 700 Millionen Dollar. Nun gut, könnte man meinen, der Aufschwung kommt halt ein bisschen später. Falsch. Es schwingt wieder ab in Rüsselsheim: Allein im letzten Quartal lag der Verlust bei 600 Millionen Dollar. Das sieht für das laufende Jahr nach einem Milliardenloch aus. Und das nach dem Abbau von 8000 Stellen vor zwei Jahren. Verbunden mit der Zusage, bis 2014 keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen. Genau das dürfte den Managern in Detroit jetzt zu schaffen machen – wo sonst können sie in Europa sparen? Wobei die Amis ein bisschen mitschuldig sind an der erneuten Misere.

Opel darf nämlich nicht nennenswert exportieren. Märkte wie China und Südamerika, die anderen Marken die Taschen füllen, sind den Rüsselsheimern verschlossen. Da wollen sich die Amerikaner breit machen. Ohne lästige Konkurrenz aus der eigenen Familie. Allerdings müsste Opel in den Exportmärkten neue Produktionskapazitäten schaffen, um die teilweise eklig hohen Zölle zu umgehen – was den Opelanern in Bochum oder Rüsselsheim auch nicht hilft, wo die Auslastung momentan zu niedrig ist.

Und daheim ist der Markt richtig schlecht. Insgesamt sind die Neuzulassungen in Europa im vergangenen Jahr um gut sieben Prozent gesunken. Opel schlägt das noch – allein im Januar 2012 wurden gut ein Fünftel weniger Autos mit dem Blitz auf dem Kühler verkauft als im Januar 2011. Außer dem Astra gibt es keinen Bestseller, der zu Recht viel gerühmte Ampera macht sich allenfalls in der immer noch kleinen Elektro-Nische breit, die Produktionskosten sind noch zu hoch, und nicht mal die für Europa gedachten amerikanischen Schwestermodelle auf der gleichen Plattform können in deutschen Werken die Lücken füllen – die Euro-Amerikaner werden noch in Korea gebaut.

Deren Produktion nach Deutschland zu verlagern, das wäre jedenfalls – neben attraktiven Autos … – noch mal eine Chance für den traditionsreichen Autobauer. Das würde sogar den südafrikanischen Markt toppen …

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